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News: Wer schläft, fiebert nicht

Hörnchen haben's gut. Fünf bis sechs Monate können sie sich im Jahr zurückziehen und sich ihrer Winterruhe widmen. Allerdings schlafen sie nicht durch, sondern erwachen regelmäßig etwa einmal pro Woche. Doch warum diese Energie zehrende Prozedur? Vermutlich um das Immunsystem wieder in Gang zu setzen, denn während des Schlafs können sich die Tiere gegen Krankheitserreger nicht wehren.
Die kalte Jahreszeit ist nicht nur ungemütlich, sondern für viele Tiere auch extrem nahrungsarm. Viele Arten ziehen sich daher im Winter zurück, setzen alle Lebensfunktionen auf Sparflamme und verschlafen die Zeit. Bei echten Winterschläfern wie Fledermäusen, Hamstern oder Murmeltieren geht dabei die Körpertemperatur drastisch zurück, Atmung und Herzschlag werden auf ein Minimum reduziert.

Wesentlich milder verläuft die so genannte Winterruhe, die viele Hörnchenarten halten, wie unser heimisches Eichhörnchen oder der in Nordamerika beheimatete Goldmantelziesel (Spermophilus lateralis). Hier sinkt die Körpertemperatur nur um wenige Grad, und die Tiere wachen während ihres fünf- bis sechsmonatigen Schlafs regelmäßig etwa einmal wöchentlich für 12 bis 20 Stunden auf. Und genau dieses Aufwachen war für Biologen bisher ein ungelöstes Rätsel, denn schließlich verbrauchen die Tiere hierfür bis zu 80 Prozent ihrer kostbaren Energiereserven. Sie sollten dafür einen triftigen Grund haben.

Brian Prendergast von der Ohio State University könnte diesem Grund auf die Schliche gekommen sein. Zusammen mit seinen Kollegen interessierte er sich, wie das Immunsystem während der Winterruhe der Ziesel arbeitet. Die Forscher ließen 31 Hörnchen in ihrem Labor ruhen und maßen dabei die Körpertemperatur. Dann verabreichten sie den fest schlafenden Tieren Lipopolysaccharide aus der Zellwand von Bakterien – eine an sich völlig harmlose Substanz, bei der das Immunsystem dennoch Alarm schlagen sollte.

Und es geschah – nichts. Die Tiere ließen sich von den bakteriellen Stoffen überhaupt nicht beeindrucken, sondern schlummerten munter weiter.

Doch als sie wenige Tage später wie gewohnt erwachten, bekamen sie plötzlich hohes Fieber, so als ob sie just mit Bakterien infiziert worden wären.

Jetzt wollten es die Forscher genauer wissen: In einem zweiten Experiment erhielten ihre schlafenden Versuchstiere das Hormon Prostaglandin E2, das im Gehirn die Fieberreaktion nach einer Infektion auslöst. Daraufhin erwachten die Tiere sofort, und ihre Körpertemperatur stieg fieberhaft an.

"Das zeigt, dass der Fiebermechanismus in den schlafenden Hörnchen zwar noch funktioniert", schließt Arbeitsgruppenleiter Randy Nelson, "aber das Immunsystem kann während der Winterruhe kein Fieber auslösen."

Und in diesem Unvermögen des Immunsystems sehen die Forscher den Grund für das regelmäßige Aufwachen während der Winterruhe. Denn schließlich schlummern die Tiere nicht in einem sterilen Raum, sondern sind in ihrer Erdhöhle ständig Parasiten, Bakterien und anderen unangenehmen Zeitgenossen ausgesetzt, die sich auch in einem heruntergekühlten Hörnchenkörper noch wohl fühlen. Da dann das Immunsystem mehr oder weniger abgeschaltet ist, sind die Tiere während ihres Schlafes diesen Krankheitserregern schutzlos ausgesetzt. Indem sie jedoch einmal pro Woche aufwachen, können sie ihr Immunsystem regelmäßig hochfahren und sich zur Wehr setzen.

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