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Brandbestattungen: Wer waren die Toten unter Stonehenge?

Aus den dunklen Anfängen des Steinkreises hat sich ein Ring aus 56 Gruben erhalten. Wer waren die Toten darin? Eine Knochenanalyse verrät nun: Sie kamen von weit her.
Stonehenge mit Besuchermassen im Jahr 2013Laden...

Aus der ersten Bauphase des rätselhaften südenglischen Monuments haben sich 56 Gruben erhalten, die so genannten Aubrey-Löcher. Sie bilden zusammen einen Kreis, einmal rund um die Anlage. Wozu dienten sie? Und wer waren die 58 Toten, die in ihnen ihre letzte Ruhe fanden? Darüber diskutieren Fachleute und interessierte Laien, spätestens seitdem Archäologen in den 1920er Jahren den Inhalt der Gruben ans Tageslicht förderten.

Ein Team um Christophe Snoeck von der University of Oxford gibt nun eine Antwort auf alle drei Fragen, und zwar mit Hilfe von Strontiumisotopen, die sich in den Knochen erhalten haben. Das Verhältnis, in dem Isotope dieses Elements in den Knochen auftreten, gibt einen Hinweis auf die geografische Herkunft des Bestatteten. Wie das Forscherteam nun in »Scientific Reports« erläutert, stammten mindestens zehn der 25 untersuchten Toten nicht aus der Region um Stonehenge. Sie gelangten kurz vor ihrem Tod oder sogar erst danach in die Region.

Verschiedene Herkunftsorte seien auf Grund des Isotopenprofils denkbar. Aber am wahrscheinlichsten, finden die Forscher, sei eine Herkunft aus dem Süden von Wales – also aus genau jener Region, aus der die jungsteinzeitlichen Erbauer des frühen Stonehenge ihre Steine importierten.

Zu jener Zeit – laut Radiokarbondatierung starben die Bestatteten in den Jahrhunderten um 3000 v. Chr. sowie um 2500 v. Chr. – bestand Stonehenge lediglich aus einer kreisförmigen Wall-und-Graben-Anlage mit Pfostenaufbauten. Zudem gab es vermutlich bereits einzelne so genannte Blausteine, die im 200 Kilometer entfernten Preseli-Gebirge in Wales gebrochen und nach Südengland verfrachtet wurden.

Diese Ergebnisse passen gut zu einer Theorie, die unter anderem der langjährige Stonehenge-Archäologe Mike Parker-Pearson vertritt, der ebenfalls zum Autorenteam der aktuellen Fachpublikation gehört: Demnach hätten sich die Erbauer des frühen Stonehenge eine Begräbnisstätte für hochrangige Mitglieder ihrer Gesellschaft geschaffen. Die rätselhaften Aubrey-Löcher dienten folglich als Aufstellungsort für die Blausteine; bei denen wiederum scheint es sich um eine Art von Grabsteinen gehandelt zu haben – Grabsteine, die man aus dem Süden von Wales heranschaffte, dem mutmaßlichen Ursprungsort der Herrscherfamilie.

Die charakteristischen Sandstein-»Sarsen«, die unser heutiges Bild von Stonehenge prägen, kamen hingegen erst in späterer Zeit hinzu. Sie wurden aus einem 20 Kilometer entfernten Steinbruch importiert.

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