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Geschlechtsreife bei Mädchen: Frühstart in die Pubertät

Die Pubertät beginnt bei immer mehr Mädchen schon in der Grundschule. Doch wann ist es zu früh für diese Veränderung – und wie kann man betroffenen Kindern helfen?
Drei Kinder laufen eine ruhige Wohnstraße entlang. Sie tragen Sommerkleidung, darunter Kleider und ein Latzkleid. Die Umgebung ist von Häusern und Gärten gesäumt, und die Straße ist leer. Ein Kind hat eine große Schleife im Haar. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Unbeschwertheit und Sommerfreude.
Wie jung ist zu jung für den Start der Brustentwicklung, der Schambehaarung und der Menstruation? Fachleute beschäftigt diese Frage anlässlich der weiter sinkenden Pubertätsalter von Mädchen.

Als Lola acht Jahre alt war, machte sie einen enormen Wachstumsschub durch. Zugleich wurde ihre Haut unreiner und sie entwickelte Akne. Ihre Mutter Elise dachte, sie würde einfach nur schnell groß werden, weil sie die Gene ihres Vaters geerbt hatte. Doch als sie bei ihrer Tochter erste Schamhaare bemerkte, fiel sie aus allen Wolken. Ein Besuch bei einem Endokrinologen bestätigte, dass Lolas Gehirn bereits Hormone produzierte, die ihre Pubertät in Gang setzten. Lola kämpfte emotional mit dieser Situation. »Sie hatte jeden Tag in der Schule Panikattacken«, erzählt Elise, die darum gebeten hat, ihren und Lolas richtigen Namen nicht zu nennen.

Acht Jahre mag für den Start der Pubertät auf den ersten Blick extrem jung erscheinen. Doch Langzeitdaten aus aller Welt zeigen, dass solche Fälle weitaus verbreiteter sind als früher. So lag das Durchschnittsalter der ersten Menstruation in den 1840er Jahren bei etwa 16 oder 17; heutzutage tritt die sogenannte Menarche im Schnitt bereits bei 12-jährigen Mädchen ein. Während in den USA die Brustentwicklung in den 1960er-Jahren mit 11 startete, sank das Alter in den 1990er-Jahren auf 9 bis 10. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich dieser Trend während der COVID-19-Pandemie nochmals beschleunigt hat. Manche Daten lassen eine ähnliche Entwicklung bei der Pubertät von Jungen erkennen, aber in viel geringerem Ausmaß.

Die Tendenz zur immer früheren Pubertät beschäftigte auch die internationale Fachgesellschaft für Endokrinologie, die Endocrine Society. Sie entschloss sich dazu, neue Richtlinien für Ärztinnen und Ärzte zu entwickeln. Sie sollen Mitte 2026 veröffentlicht werden und sich damit befassen, wie man Mädchen an der Grenze zwischen typischer und vorzeitiger Pubertät behandelt. Als vorzeitig galt die Pubertät bislang, wenn sie vor dem achten Lebensjahr begann. Einige Experten argumentieren jedoch, dass dieser Wert in Zukunft niedriger angesetzt werden müsste. Ein solch früher Start in die Pubertät birgt auch Risiken für Betroffene. Studien brachten ihn bereits mit einem erhöhten Risiko für Adipositas, Herzerkrankungen, Brustkrebs, Depressionen und Angstzuständen in Verbindung.

Der Hypothalamus gibt den Startschuss

Aus physiologischer Sicht setzt die Pubertät ein, wenn der Hypothalamus im Gehirn beginnt, verstärkt das Hormon Gonadoliberin herzustellen. Was diesen Prozess auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel von Genen und Umweltfaktoren. In der Folge entfaltet sich eine hormonelle Kaskade, die in der Ausschüttung des weiblichen Sexualhormons Östrogen und auch des männlichen Sexualhormons Testosteron mündet. Die Botenstoffe treiben körperliche Veränderungen an, einschließlich der Menstruation.

Das Durchschnittsalter bei der Menarche sinkt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts führte man das vor allem darauf zurück, dass sich die Gesundheit der Menschen in dieser Zeit enorm verbessert hatte. Die Zahl von schweren Infektionserkrankungen sowie von Unterernährung bei Kindern nahm ab. Beides zusammen dürfte das Wachstum und die sexuelle Reifung substanziell beschleunigt haben. In den folgenden Dekaden blieb nach Ansicht der Fachleute jener Zeit das Alter bei Pubertätseintritt relativ stabil. »Studien aus den 1960er Jahren zeigten, dass es sich bei zwölfeinhalb Jahren einpendelte«, kommentiert der pädiatrische Endokrinologe Paul Kaplowitz, der bis zu seiner Emeritierung am Children’s National Hospital in Arlington, Virginia, tätig war.

Im Jahr 1969 veröffentlichten der britische Kinderarzt James Tanner und der Biologe William Marshall eine der umfassendsten Studien zum Zeitpunkt des Pubertätsbeginns. Die Daten sammelten sie im Rahmen einer zwei Jahrzehnte andauernden Untersuchung in einem Kinderheim in Harpenden, Großbritannien. Die Pubertät bei Mädchen äußerte sich demnach in der Regel zuerst über das Wachstum der Brüste; dieses setzte durchschnittlich im Alter von etwa 11 Jahren ein. Aus solchen Beobachtungen leiten sich die »Tanner-Stadien« ab. Sie definieren fünf Phasen der Entwicklung zur Geschlechtsreife und fanden in Medizin und Forschung breite Anwendung.

Ende der 1980er-Jahre stellte Marcia Herman-Giddens die Zeitangaben für diese Staden jedoch infrage. Als Assistenzärztin an der Duke University in North Carolina hatte sie Tausende von Mädchen untersucht. Sie beobachtete, dass die Brustentwicklung und der Schamhaarwuchs bei einem Teil von ihnen »weitaus früher als nach den Tanner-Standards« auftraten, erzählt sie.

Veränderungen beginnen eher als gedacht

Sie und ihr Team machten sich deshalb daran, Referenzwerte für US-amerikanische Kinder zu entwickeln. Aus dem ganzen Land sammelten sie Daten von rund 17 000 Mädchen, die zwischen 1992 und 1993 ärztlich untersucht worden waren. Die Brustentwicklung startete im Durchschnitt bei den weißen Mädchen mit knapp zehn Jahren, bei schwarzen Mädchen mit neun Jahren. Es war die erste groß angelegte Studie, die darauf hindeutete, dass die Pubertät früher einsetzte, als Tanner angenommen hatte – zumindest in den USA.

Das Team veröffentlichte diese Daten 1997. Die Fachwelt reagierte damals überwiegend skeptisch. Der Kinderendokrinologe Anders Juul von der Universität Kopenhagen beobachtete zu der Zeit in Dänemark keine vergleichbaren Tendenzen. Angesichts steigender Adipositasraten in den Vereinigten Staaten mutmaßte er, Ärzte und Ärztinnen hätten womöglich fälschlicherweise Fettgewebe als wachsende Brüste eingestuft.

Doch 2002 kam eine zweite US-Studie zu einem ähnlichen Schluss wie die der Fachleute um Herman-Giddens. Und 2009 berichtete dann auch ein Forschungsteam um Juul von messbaren Veränderungen. Ihrer Erhebung zufolge sank das Durchschnittsalter für den Beginn der Brustentwicklung in Kopenhagen von knapp unter elf Jahren Anfang der 1990er-Jahre auf knapp unter zehn Mitte der 2000er-Jahre. Das ließ sich nicht auf eine Gewichtszunahme zurückführen; der Body-Mass-Index (BMI) der Mädchen hatte sich nämlich nicht verändert.

Eine umfangreiche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 wertete 30 bis dahin veröffentlichte Studien aus. Im Schnitt verschob sich der Beginn der Brustentwicklung demnach zwischen 1977 und 2013 jedes Jahrzehnt um fast drei Monate nach vorn. In den Vereinigten Staaten setzte die Pubertät laut den Daten am frühesten ein (der Median lag hier je nach Untersuchung bei 8,8 bis 10,3 Jahren), in Afrika am spätesten (10,1–13,2 Jahre), Europa und Asien lagen dazwischen. 2025 stellten Fachleute auf einer Endokrinologietagung eine Aktualisierung der Arbeit vor. Sie bestätigte, dass sich der Trend fortgesetzt hat.

Aktuell ist unklar, ob das Pubertätsalter weiter sinken wird und wann die biologische Untergrenze erreicht ist. Weltweit werten Ärztinnen und Ärzte bei Mädchen ein Alter zwischen 8 und 13 Jahren mittlerweile als im Normbereich liegend.

Die Pubertät startet bei Mädchen immer früher |

Studien weisen darauf hin, dass das Alter, in dem die erste Menstruation (Menarche) einsetzt, seit Jahrzehnten stetig abnimmt. Mitte des 19. Jahrhunderts lag es in Deutschland noch bei rund 17 Jahren, bis zu den 2020er Jahren sank es auf 13.

Was führt zur vorzeitigen Pubertät?

Seit Jahren beschäftigen sich Untersuchungen mit der Frage, wie die Beschleunigung zustande kommt. Es gibt eine Handvoll plausible Hypothesen, allen voran die der steigenden Fettleibigkeit bei Kindern. Weltweit waren laut der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1990 rund zwei Prozent der Minderjährigen adipös, bis 2022 hatte sich der Anteil vervierfacht. In den Vereinigten Staaten stieg er in diesem Zeitraum von 11 auf über 20 Prozent. Eine 2022 veröffentlichte Studie untersuchte fast 130 000 US-amerikanische Kinder und fand einen klaren Zusammenhang zwischen Übergewicht und früherer Pubertät. »Es steht außer Frage, dass Adipositas ein wesentlicher Einflussfaktor ist«, sagt der Genetiker John Perry von der Cambridge University.

Eine wichtige Rolle dabei spielt das von Fettzellen hergestellte Hormon Leptin. Der Botenstoff beeinflusst Hirnschaltkreise, die Reifung und Fortpflanzung steuern. »Wir glauben nicht, dass Leptin die Pubertät auslöst«, betont Kaplowitz. »Aber es ist zentral für ihr Fortschreiten.«

»Es steht außer Frage, dass Adipositas ein wesentlicher Einflussfaktor ist«John Perry, Genetiker

Andere Fachleute, darunter Juul, vermuten die Ursache zum Teil bei hormonaktiven Stoffen in der Umwelt. Sie verweisen insbesondere auf in Kunststoffen vorkommende Verbindungen wie Phthalate, »Ewigkeitschemikalien« wie PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) und synthetische Duftstoffe. Alle davon kamen im Lauf des 20. Jahrhunderts zunehmend zum Einsatz. Die Moleküle greifen in den Hormonhaushalt ein, indem sie Botenstoffe nachahmen oder deren Wirkung stören. Untersuchungen zu ihren Effekten kommen jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen. Es hat sich bislang als unglaublich schwierig erwiesen, einen Zusammenhang mit den einzelnen Substanzen nachzuweisen. »Es gibt eigentlich keine wirklich guten Studien«, räumt Kaplowitz ein.

Stress lässt auch Kinder schneller altern

Ein weiteres Puzzlestück ist psychische Belastung. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Stressfaktoren wie häusliche Gewalt, Missbrauch, Armut und Diskriminierung die Entwicklung beeinflussen. Mädchen, die solchen Umständen ausgesetzt sind, kommen mit höherer Wahrscheinlichkeit früher in die Pubertät als sorglosere Gleichaltrige. So fand etwa eine 2022 publizierte Längsschnittstudie bei US-amerikanischen Mädchen eine Verbindung zwischen körperlichem oder emotionalem Missbrauch in der Kindheit und einer früheren Menarche.

Stress erklärt allerdings nicht unbedingt die bevölkerungsweiten Effekte, und kein einzelner Stressfaktor im Kindesalter lässt sich mit einer verfrühten Pubertät in Verbindung bringen. Psychische Belastung könnte jedoch mit Übergewicht zusammenwirken, sagt die Epidemiologin Lauren Houghton von der Columbia University in New York City. Ihre noch unveröffentlichten Forschungsergebnisse weisen in diese Richtung. Demnach entwickeln Mädchen, die einen erhöhten Stresshormonspiegel und einen hohen Body-Mass-Index (BMI) aufweisen, im Durchschnitt sieben Monate früher Brüste als Altersgenossinnen mit weniger Stress und niedrigem BMI.

Das könnte auch mit ein Grund sein, weshalb während der COVID-19-Pandemie noch mehr Mädchen betroffen waren. Kurz nach deren Ausbruch im Jahr 2020 bemerkten Kinderendokrinologen in Italien einen sprunghaften Anstieg bei den Überweisungen wegen vorzeitiger Pubertät. Darüber hinaus erfüllten sogar 41 Prozent dieser Fälle die Kriterien, verglichen mit bloß 26 Prozent im Jahr 2019. Erhebungen aus weiteren Ländern zeigten vergleichbare Daten. Einige deuten zudem darauf hin, dass die Pubertät auch schneller verlief.

»Es wird niemals möglich sein, alle Faktoren zu isolieren, die zum Einsetzen der Pubertät beitragen«Marcia Herman-Giddens, Ärztin

Die Gründe dafür lassen sich nur schwer eruieren. Weil Schulen vorübergehend geschlossen waren, verbrachten Kinder in vielen Ländern mehr Zeit vor Bildschirmen. Sie bewegten sich weniger und manche nahmen daher an Gewicht zu. Die US-amerikanische pädiatrische Endokrinologin Louise Greenspan vermutet jedoch, dass der Pandemie-Stress der entscheidende Faktor war. »Wir sprechen hier von einer Art Dauerstress. Ich glaube, das hat unsere Kinder tatsächlich beeinflusst.«

Vielschichtige Ursachen – und Folgen

Letztendlich dürften die Ursachen für vorzeitige Pubertät komplex sein und miteinander wechselwirken. Herman-Giddens rechnet deshalb nicht damit, in absehbarer Zeit eine eindeutige Erklärung zu finden. »Es wird niemals möglich sein, alle Faktoren zu isolieren, die zum Einsetzen der Pubertät beitragen«, sagt sie.

Auch die Folgen früher Pubertät rücken vermehrt ins Interesse der Forschung. Untersuchungen zufolge geht eine solche mit erhöhten Risiken für bestimmte chronische Erkrankungen im späteren Leben einher. Eine Menarche in jungen Jahren korreliert demnach stark mit höheren Raten von Typ-II-Diabetes im Erwachsenenalter. Perry warnt jedoch: Noch weiß man nicht, wie genau die beiden zusammenhängen. Die Ergebnisse lassen offen, ob die frühe Pubertät Diabetes fördert, ob drohender Diabetes den Start der Pubertät beschleunigt oder – was wahrscheinlicher ist – ob ein dritter Faktor, beispielsweise Adipositas, beide beeinflusst.

Sein Team untersucht das mit einer epidemiologischen Methode namens mendelscher Randomisierung. Sie hilft dabei, Ursache und Wirkung eines Effekts voneinander zu unterscheiden. Eine solche Studie von 2017 hatte ergeben, dass eine frühe Pubertät unabhängig vom BMI ein erhöhtes Risiko für Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs mit sich bringt. Möglicherweise liegt das an der erhöhten Östrogenexposition von betroffenen Frauen über ihre Lebenszeit.

Die Psyche leidet mit

Mädchen, die früher in die Pubertät kommen, entwickeln eher psychische Probleme und Verhaltensstörungen. Sie haben etwa ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angstzustände, Essstörungen und Substanzmissbrauch. Womöglich liegt das an der frühzeitigen Einwirkung der Geschlechtshormone auf das Gehirn. Die Signalmoleküle interagieren dort nämlich mit wichtigen emotionalen und kognitiven Zentren.

Die Wurzeln für die Schwierigkeiten könnten aber auch in den körperlichen Veränderungen liegen, die mit der Pubertät einhergehen. Genau darauf weist eine zunehmende Anzahl von Untersuchungen hin. Denn das Umfeld reagiert anders auf Mädchen, die größer sind und älter aussehen, erklärt die Psychologin Rona Carter von der University of Michigan in Ann Arbor. Betroffene fühlen sich daraufhin eventuell unter Druck, reifer und unabhängiger zu wirken. Sie verpassen so einen Teil der Fürsorge, die die Kindheit bietet. Und da schwarze Mädchen sich im Schnitt etwas schneller als weiße Altersgenossinnen entwickeln, sind sie oft die ersten, die entsprechende Auswirkungen spüren.

Laut einer 2025 veröffentlichten Längsschnittstudie ging eine frühe Pubertät bei schwarzen Mädchen und bei jenen lateinamerikanischer Abstammung mit verstärkter rassistischer Diskriminierung einher. Für Jungen war das nicht der Fall. Der Unterschied kommt womöglich zustande, weil pubertäre Veränderungen bei Mädchen sichtbarer sind. Das Umfeld reagiert dann vermehrt darauf, indem es sie eher objektiviert oder negativ stereotypisiert.

»Wir wollen eingreifen, bevor die Mädchen beginnen, negative Gefühle zu verinnerlichen«Michael Curtis, Familiensoziologe

Kinder brauchen Aufklärung und Beistand

Das soziale Umfeld könnte vor einigen Risiken der vorzeitigen Pubertät schützen. Im Juni 2025 berichtete ein australisches Team von solchen positiven Einflussfaktoren. Ihrer Studie zufolge verringern familiäre Unterstützung und Akzeptanz das Depressionsrisiko betroffener Mädchen. Der Freundeskreis und das schulische Umfeld spielen ebenfalls eine Rolle.

Carter hält eine frühere und intensivere Vorbereitung der Kinder auf die anstehenden Veränderungen für ratsam. »Es gibt viel Angst vor der Pubertät – Mädchen wissen nicht, was sie erwartet, und Eltern fühlen sich unwohl dabei, darüber zu sprechen«, erläutert sie. Deshalb entwickelte sie »Double Digits«, ein Aufklärungsprogramm für schwarze Mädchen im Alter von 9 bis 11 Jahren. Es vermittelt einerseits praktische Informationen zu Menstruationsprodukten und Hygiene und bereitet die Kinder andererseits durch Gespräche auf Vorurteile vor, die sie erwarten könnten. Bereits solche einfachen Maßnahmen helfen, sie vor einigen der psychologischen und sozialen Risiken zu schützen. »Wir wollen eingreifen, bevor die Mädchen beginnen, negative Gefühle zu verinnerlichen«, kommentiert der Familiensoziologe Michael Curtis von der US-amerikanischen University of Minnesota.

Darüber hinaus verschreiben Endokrinologen bei Bedarf gelegentlich sogenannte Pubertätsblocker. Sie sollen verhindern, dass Kinder früher als üblich aufhören zu wachsen. Zusätzlich bewahren die Medikamente Betroffene vor Problemen in ihrer emotionalen Entwicklung – und zögern die praktischen Konsequenzen der Menstruation um einige Monate bis Jahre hinaus. Unter welchen Umständen Menschen mit Geschlechtsdysphorie derartige Wirkstoffe erhalten sollen, löste in vielen Ländern Debatten aus. Doch bei Kindern mit vorzeitiger Pubertät wird die Therapie von Fachleuten weitestgehend unterstützt.

2023 begann auch die damals achtjährige Lola mit der Einnahme von solchen Pubertätsblockern, da ihre Eltern um ihre psychische Gesundheit besorgt waren. Das Mädchen ist mittlerweile fast elf und wird die Therapie bald beenden. Ihre Mutter Elise hofft, dass sie nun besser mit der Pubertät zurechtkommen wird, als es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen wäre. »Sie hatte viel mehr Gelegenheit, sich zu entwickeln«, sagt sie. »Ich bin froh, dass ich ihr diese Zeit geben konnte.«

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  • Quellen

Aghaee, S. et al.: American Journal of Epidemiology 10.1093/aje/kwac148, 2022

Cheng, T. S. et al.: PLoS Med. 10.1371/journal.pmed.1 003 017, 2020

Herman-Giddens, M. E. et al.: Pediatrics 10.1542/peds.99.4505, 1997

Thomsen, C. E. et al. : Endocrine Abstracts P867, 2025

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