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Wetter in Deutschland: »Sumpflage« verursacht heftige Unwetter

In Deutschland wird es weiter Unwetter geben - doch niemand weiß wo. Schuld an der Situation ist fehlende Dynamik, ein halb gares Tiefdruckgebiet und feuchte Luft.
Schäden am Dach des Opernhauses Stuttgart.Laden...

Umgekippte Statuen, überflutete Straßen, entwurzelte Bäume: Die heftigen Unwetter in Südwestdeutschland setzten zerstörerische Energien frei. Doch hinter den extremen lokalen Ereignissen steckt eine Großwetterlage mit nahezu entgegengesetzten Eigenschaften. Kaum Luftdruckgegensätze, die Bewegung in die Situation bringen könnten – und ein wenig ausgeprägtes, strukturloses Tief über Mitteleuropa, für dessen Verhalten »das Wort ziehen fast schon zu viel an Dynamik« suggerierte, wie es der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf seiner Website ausdrückt. Es ist allerdings die buchstäbliche Ruhe vor dem Sturm. Denn über dem Boden liegt feuchte, warme Luft voller potenzieller Energie, und die Schichtung der Atmosphäre ist instabil. Fachleute bezeichnen eine solche Kombination als Sumpflage.

Eine Sumpflage erzeugt leicht Gewitter. Die feuchte Luft am Boden neigt dazu, aufzusteigen; in der kühleren Höhe kondensiert das Wasser und setzt seine Energie frei, die es beim Verdunsten aufgenommen hat. Dadurch wird die Luft wärmer und damit weniger dicht – sie steigt umso schneller auf, mehr Wasser kondensiert, mehr Wärme wird frei und treibt das Luftpaket weiter nach oben. Gleichzeitig reißt sie das kondensierte Wasser in große Höhen, wo es gefrieren und auch elektrische Ladung aufnehmen kann. Die Rückkopplung zwischen Aufstieg und Kondensation erzeugt die hoch aufragenden Wolkentürme und Blitze der Gewitterzellen, die heftigen Regen- und Hagelfälle und durch all die freigesetzte Energie starken Wind.

Das Besondere an Sumpflagen: Wo sich diese Unwetter bilden, ist praktisch nicht vorherzusagen. Es gibt keine klaren großräumigen Strukturen, die der energiegeladenen Luft einen Auslöser zum Aufsteigen anbieten würden. Das Tief Xero, das derzeit über Deutschland liegt, ist nicht nur langsam, sondern ihm fehlt auch eine klare Struktur, an der man seine Entwicklung vorhersagen könnte. Wo und wie sich die Gewitterzellen bilden, hängt so vor allem von lokalen Faktoren ab, die sich Prognosen weitgehend entziehen – zum Beispiel können Gewitter weitere Unwetter an anderen Orten fördern oder behindern. Wo genau die nächsten Gewitter entstehen, ist deswegen kaum vorherzusehen. Sicher ist allerdings: Auch in den nächsten Tagen wird es in Deutschland Unwetter geben.

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