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Wetter: Intensives Calima-Ereignis staubt die Kanaren ein

Regelmäßig erreicht Staub aus der Sahara auch Europa. Ein besonders intensives Ereignis sorgt gerade für dicke Luft auf den Kanaren – und vielleicht bald bei uns.
Ein Flugzeug hebt von einer Landebahn ab, während im Hintergrund ein Kontrollturm und mehrere Gebäude zu sehen sind. Der Himmel ist bewölkt und die Sicht ist leicht eingeschränkt. Auf dem Flugzeug ist der Schriftzug "Iberia Express" zu erkennen. Ein weiteres Flugzeug der "Air Europa" steht am Boden. Die Szene spielt sich auf einem Flughafen ab, umgeben von Hügeln.
Saharastaub beeinträchtigt regelmäßig die Luftqualität auf den Kanarischen Inseln wie hier im Jahr 2020.

Seit Mitte Februar 2026 herrscht ein ausgeprägtes Calima-Ereignis über der westlichen Sahara und den Archipelen vor der afrikanischen Küste: Der intensive Ostwind bläst Staub aus der Wüste über den Atlantik und trübt dadurch die Luft auf den Kapverdischen und Kanarischen Inseln sowie Madeira, wie Aufnahmen des europäischen Kopernikus-Satelliten zeigen. Die Bewohner der Inseln wurden wegen der hohen Feinstaubbelastung regional von den Behörden davor gewarnt, sich zu lange außerhalb geschützter Innenräume aufzuhalten. Erste Prognosen deuten an, dass zumindest Teile der Staubwolken in der kommenden Woche auch das europäische Festland erreichen können.

Normalerweise herrschen auf den Atlantikinseln sogenannte Passatwetterlagen. Die relativ konstant wehenden Passate bringen Luftmassen aus Nordosten und bestimmen das Wetter auf den Inseln in unterschiedlichem Maße. Treffen die Passate beispielsweise auf Berge wie in Teneriffa, dann herrschen auf der Luvseite meist feuchte, milde Bedingungen, während es auf der Leeseite überwiegend trocken und warm ist. Gelegentlich drehen jedoch die Wetterlagen, und es dominieren Winde aus Südosten, die nicht nur trockene und heiße Luftmassen aus der Sahara mitbringen, sondern auch enorme Mengen an Staub. Bei Extremereignissen muss der Flugverkehr eingestellt werden und es kommt bei vielen Menschen zu gereizten Atemwegen. Normalerweise halten die Wetterlagen jedoch nur wenige Stunden bis Tage an.

Satellitenbild des Staubausbruchs | Intensive Staublagen wehen von der Sahara in Richtung Atlantik und beeinträchtigen die Sichtweite auf den Kapverdischen und Kanarischen Inseln.

Der Saharastaub beeinträchtigt jedoch nicht nur die Luftqualität, er bringt im Normalfall auch dringend benötigte Mineral- und Nährstoffe für die Ökosysteme des Atlantiks und den Amazonasregenwald. Das haben bereits mehrere Studien gezeigt. Mehr als die Hälfte des Staubniederschlags, der am Amazonas niedergeht, stammt aus einer einzigen kleinen Region in der Sahara: der Bodélé-Senke im Tschad. Sie macht nur 0,2 Prozent der größten Wüste der Erde aus, sie bildet mit einer durchschnittlichen Aufwirbelung von 700 000 Tonnen Feinmaterial pro Sturmtag deren ergiebigste Staubquelle. Besonders aktiv ist die Aufwirbelung während der Winter- und Frühjahrsmonate.

Hierzulande endet das Staubereignis meist durch Regen, der die Aerosole aus der Luft spült. Bemerkbar macht sich das dann durch rotbraune Schlieren auf Autos, Dachfenstern oder der Wäsche, die draußen vergessen wurde.

Ein anderer Ausgangsort löste 2022 dagegen Sorgen in Europa aus: Ein großer Teil des Staubes im damaligen Frühling kam aus der algerischen Sahara, wo in der südwestlichen Provinz Adrar Anfang der 1960er Jahre oberirdisch mehrere französische Kernwaffentests stattfanden. Dabei wurden in mindestens einem Fall radioaktives Gas und Staub freigesetzt. Zusammen mit dem Fallout russischer und US-amerikanischer Atombomben, der in der Sahara niederging, machten sich einige dieser Radionuklide mit dem Wind auf die Reise nach Europa. Die gemessenen Strahlungswerte lagen jedoch unter den von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerten und sollten daher gesundheitlich unbedenklich gewesen sein.

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