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News: Wettermacher

Wenn es um die bedrohliche Erwärmung des Erdklimas geht, werden wir uns wohl nicht aus unserer Verantwortung stehlen können, denn die Launen der Natur scheiden als Ursache zunehmend aus. Die Auswertung einer Vielzahl von Klimadaten der vergangenen 2000 Jahre hat jedenfalls gezeigt, dass die Variation natürlicher Klimaphänomene, wie die Nordatlantische Oszillation oder der El Niño, auch schon früher bedeutsam waren - und nicht zu einer Erwärmung führten.
Bäume, arktische Eisprofile oder Korallenriffe sind hervorragende Archive vergangener Klimaperioden. Baumringe beispielsweise geben ziemlich genau Aufschluss darüber, ob ein Jahr trocken und kalt war oder feucht und warm. Und da insbesondere die Temperatur die Verteilung unterschiedlich schwerer Isotope des Sauerstoffs oder Kohlenstoffs in der Atmosphäre oder im Meerwasser steuert, wird die Klimageschichte in den feinen Eisschichten auf Grönland und in der Antarktis genauso gespeichert wie in den uralten Korallenriffen der Erde.

Phil Jones und seine Kollegen von der University of East Anglia haben sich nicht nur solcher Daten angenommen, sie sichteten auch unzählige Wetteraufzeichnungen - und bekamen auf diese Weise einen ziemlich guten Einblick in das Wettergeschehen der vergangenen 2000 Jahre. Einen Einblick, der einen lange gehegten Verdacht bestätigt: Der Temperaturanstieg gegen Ende des 20. Jahrhunderts ist überdeutlich und sicherlich eine Folge menschlichen Tuns.

Seit Christi Geburt war es auf der nördlichen Hemisphäre niemals so warm wie jetzt. Und im 20. Jahrhundert war es niemals so warm wie während der vergangenen 30 Jahre. Die Durchschnittstemperatur des Zeitraums von 1971 bis 2000 lag demnach um 0,2 Grad Celsius über der des Zeitraums von 1976 bis 1990.

Bei der Ursachenforschung von derlei kurzfristigen Schwankungen ist in der Tat Vorsicht geboten, und so wird immer wieder nach natürlichen Mechanismen gefahndet, die aus derlei Trends gleichsam zufällige und ganz normale Erscheinung werden lassen. So findet sich im Nordatlantik die so genannte Nordatlantische Oszillation (NAO), ein Klimaphänomen, das die Luftdruckverhältnisse des Azorenhochs und des Islandtiefs beschreibt und wesentlichen Einfluss auf unser Winterwetter hat. Seit den 80er Jahren sind die Luftdruckgegensätze zwischen Island und den Azoren besonders kräftig ausgebildet und bedingen unsere zunehmend milderen Winter in Europa. In den Klimaarchiven stöberten die Forscher allerdings auch andere Perioden auf, die durch solche ausgeprägten Luftdruckgegensätze gekennzeichnet sind. In den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts beispielsweise, aber auch Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit einer Erwärmung, wie sie in den vergangenen 30 Jahren erfolgte, ging die ausgeprägte NAO seinerzeit indes nicht einher.

Ähnliches gilt für das El-Niño-Phänomen, einer alle paar Jahre auftretende Klimaanomalie im tropischen Pazifik (El Niño, span: Christkind), die auf Störungen im Ozean-Atmosphäre-System zurückzuführen ist und weltweite Auswirkungen hat. Allerdings hat es während der vergangenen zwei Jahrtausende immer wieder mal besonders kräftig ausgebildete El Niños gegeben, zu einer globale Erwärmung haben aber auch sie nicht geführt.

Überhaupt ist die Zeit seit dem Jahre Null nicht etwa durch kontinuierlich ansteigende Temperaturen gekennzeichnet. Im Gegenteil, von 1500 bis 1900 kühlte sich das irdische Klima sogar kräftig ab: Es herrschte die Kleine Eiszeit. Wie auf vielen Gemälden aus jener Zeit überliefert ist, waren die Winter überdurchschnittlich kalt und schneereich. Die Gletscher wuchsen, und die Schneefallgrenze lag in den Alpen um 150 bis 200 Meter tiefer. Norwegen wurde gar von Packeis geplagt.

Der Mensch ist sicherlich seit Beginn der Industrialisierung zu einem großen Teil für die Klimaerwärmung verantwortlich. Jedenfalls sehen die Forscher kaum Argumente, die dagegen sprechen. Alle Klimaarchive, egal ob es sich dabei um schriftliche Aufzeichnungen handelt oder um die Gestalt von Baumringen, entlarven das 20. Jahrhundert als das wärmste der vergangenen 2000 Jahre. Ein Rekord, der in den kommenden 100 Jahren leicht überboten werden könnte. Nach den jüngsten Angaben des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) könnten die Temperaturen im Jahr 2100 um bis zu 5,8 Grad Celsius höher liegen als heute.

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  • Quellen
Science 292: 662–667 (2001)

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