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News: Wichtiger Immunregulator entdeckt

Dringen Viren oder Bakterien in den menschlichen Körper ein, vermehren sie sich stark und würden große Teile des Körpers befallen, falls die Immunabwehr sie nicht erkennen und unschädlich machen würde. Ohne ein effektives Immunsystem wären die harmlosesten Infektionen, wie beispielsweise mit einer Erkältungskrankheit, für den Menschen tödlich. Deutsche Forscher haben in dem verworrenen Netz der Immunreaktion eine weitere entscheidende Komponente entdeckt.
Die Immunabwehr ist ein komplexer und vielstufiger Prozeß. In der entscheidenden Phase des Immungeschehens bekämpfen die als T-Lymphocyten und B-Lymphocyten bezeichneten Zellen des Immunsystems den eingedrungenen Krankheitserreger. Die T-Lymphocyten müssen zunächst den Eindringling als fremd identifizieren. Dafür tragen sie auf der Zelloberfläche geeignete Antennen (Antigen-Rezeptoren). Sobald T-Lymphocyten, die eine passende Antenne aufweisen, einen Erreger erkennen, werden sie aktiviert. Die Signale, die von der Antenne des T-Lymphocyten empfangen werden, sind jedoch zu schwach. Ähnlich wie Radiosignale müssen sie erst verstärkt werden, damit die T-Lymphocyten in einen Aktivzustand versetzt werden.

Andreas Hutloff und Kollegen in der Forschergruppe von Richard Kroczek am Robert Koch-Institut haben jetzt ein Verstärkermolekül auf der Oberfläche der T-Lymphocyten entdeckt, das diese Funktion erfüllt (Nature vom 21. Januar 1999). Das von den Forschern als Induzierbarer Costimulator (ICOS) bezeichnete Verstärkermolekül wird wirksam, wenn ein Krankheitserreger erkannt wird. ICOS versetzt die T-Lymphozythen daraufhin in den höchsten Alarmzustand. Sie bilden dann an der Zelloberfläche zusätzliche Anker-proteine aus, mit denen sie an die B-Lymphocyten andocken. Auch die B-Lymphocyten werden mit neu produzierten Botenstoffen alarmiert.

Die von den T-Lymphocyten so gesteuerten B-Lymphocyten werden zur Bildung von spezifischen Antikörpern angeregt, welche die eingedrungenen Krankheitserreger erkennen und unschädlich machen. Alle Befunde der Forschergruppe am Robert Koch-Institut deuten darauf hin, daß das Verstärkerprotein ICOS in diesem Prozeß eine zentrale Rolle einnimmt. "Ohne die Beteiligung von ICOS", so vermutet Richard Kroczek, "könnten die B-Lymphocyten keine wirksamen Antikörper bilden und der Erreger würde ungehemmt den Körper überschwemmen".

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