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Maximales Lebensalter : Wird kein Mensch älter als 125 Jahre?

Ist der Lebenszeitrekord der ältesten Frau der Welt für die Ewigkeit? Vielleicht: Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass das Konstruktionslimit des Modells Mensch ausgereizt ist.
Auge und Teil des Gesichts einer älteren FrauLaden...

Auch unter optimalen Bedingungen können Menschen wohl kaum je älter werden als rund 125 Jahre, vermuten Forscher – ein Maximalalter, das der älteste Mensch mit sicher dokumentierter Biografie, die 122-jährige Französin Jeanne Calment, in ihrem Todesjahr 1997 schon fast erreicht hatte. Die Wissenschaftler schließen das nach statistischen Auswertungen von Daten der Human Mortality Database (HMD), einer Sammlung von Populations- und Mortalitätsdaten aus vielen Ländern der Erde. Dabei wird deutlich, dass der seit dem 20. Jahrhundert in den reichen Ländern der Welt andauernde Trend zu einem immer höheren Maximalalter mittlerweile abflacht und sich auf einer Plateauphase einpendelt – ganz ähnlich übrigens wie die durchschnittliche Lebenserwartung. Ein auf den Beobachtungen erstelltes Datenmodell der Forscher sagt voraus, dass die Wahrscheinlichkeit eines 125 Jahre alten Menschen, ein weiteres Jahr zu überleben, auf 1 zu 10 000 sinkt.

Offenbar, so die Forscher, sind der Lebensdauer des Menschen biologische Grenzen gesetzt, die auch bei besten Bedingungen und medizinischem Fortschritt nicht einfach umgangen werden können. Darauf ohne Einfluss sind also die Faktoren, die die Lebenserwartung eines neugeborenen Erdenbürgers seit den 1970er Jahren steil um statistisch 30 Jahre ansteigen ließen: Dies lag vor allem daran, dass die medizinische Versorgung sich verbesserte und die Sterblichkeit im frühen Alter zurückging. Anders als vor einem halben Jahrhundert sterben heute die meisten Menschen in einem Alter zwischen 65 und 95 Jahren. Aber auch die Lebenserwartung steigt – wie das erwartbare Maximalalter – nun nicht mehr deutlich an.

Die biologische Grenze des menschlichen Alters resultiere im Übrigen nicht aus einem genetischen Programm, das etwa nach Ablauf der Lebensspanne einen Befehl zur Selbstzerstörung gebe, erklären die Forscher – vielmehr dürften der Haltbarkeit des menschlichen Körpers biomechanische Beschränkungen auferlegt sein. Schließlich sei der Mensch im Lauf der Evolution eher geformt worden, sich in jüngerem Alter fortzupflanzen, als bis in alle Ewigkeit zu existieren.

40/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 40/2016

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