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Smartphones: Wie Apps psychische Gesundheit beschreiben

Smartphone-Helfer gegen seelische Tiefs vermitteln Forschern zufolge ein falsches Bild von psychischen Erkrankungen.
Mann mit Smartphone in der HandLaden...

Bekanntlich gibt es für alles eine App. Auch bei seelischen Problemen greifen weltweit immer mehr Menschen zum Smartphone. Ein australisches Forschungsteam um Lisa Parker von der University of Sydney untersuchte nun, welches Bild von psychischer Gesundheit solche Programme vermitteln.

Die Psychologen analysierten die Beschreibung 61 englischsprachiger Angebote sowohl im App-Store als auch auf der jeweiligen Website. Insbesondere interessierte sie, welche Botschaften und welche Versprechen die Anbieter in Bezug auf psychisches Wohlbefinden von sich gaben. Am verbreitetsten waren Apps, die bei Angst-, Panik- und Stresszuständen helfen sollten, gefolgt von solchen gegen Depression.

Ergebnis: Zum einen vermitteln die Apps, dass mehr oder weniger jeder Mensch therapeutische Unterstützung benötigt – schon für Probleme wie Jetlag oder ein nachts weinendes Baby. Nur wenige Programme richteten sich ausdrücklich an Personen mit einer psychiatrischen Diagnose.

Auffällig war zudem die Botschaft, dass Betroffene selbst die Verantwortung für ihre seelische Entlastung tragen, wobei ihnen Achtsamkeitsübungen, Meditation und Tagebuchfunktionen helfen sollen. Dies vernachlässige jedoch die soziale Dimension von seelischer Gesundheit, monieren Parker und Kollegen. Da die Nutzung solcher Apps oft einer regulären Psychotherapie vorausgehe, sei es wichtig, Patienten auf ihre Erfahrungen mit Selbsthilfe-Software anzusprechen, um mögliche Fehlannahmen in Bezug auf psychische Krankheiten diskutieren zu können.

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 11/2018

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