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Genetische Anpassung: Wie das Kamel sich an die Wüste gewöhnte

Dromedare und andere Kamele machten vor Millionen Jahren einen Entwicklungssprung, der sich noch heute an ihren Genen ablesen lässt. Ihr Vorteil: Überleben fast ohne Wasser.
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Trampeltiere, Dromedare und Lama-Verwandte haben sich auf unterschiedliche Arten und Weisen an das Klima in ihren jeweiligen Lieblingshabitaten gewöhnt, wie Genanalysen zeigen. Seit sich die Tiere aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben, zeigten sich vor allem Trampeltiere und Dromedare in den Wüsten Asiens und Afrikas genetisch innovativ: Besonders schnell veränderte Regionen im Erbgut belegen, wie sie sich an Trockenheit, Hitze und Wasserarmut anpassten und Mechanismen gegen UV-Strahlung und ständige Staubverwirbelungen entwickelten. Spannend finden die Erbgutforscher überdies, wie exakt sie die schrumpfenden und wachsenden Populationen der Kamel-Verwandtschaft über die Jahrhunderttausende hinweg an den Genen nachvollziehen konnten.

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Trampeltiere | Trampeltiere in Gegenrichtung. Das Baktrische oder Zweihöckrige Kamel (Camelus bactrianus) lebt in Zentralasien und wurde wohl schon um 2500 vor der Zeitenwende domestiziert. Auch heute findet man aber – selten – noch wild lebende Herden und Exemplare.

So zeigt sich etwa, wie stark die Menge der Dromedar-Vorfahren zu Beginn des Gelasiums (vor rund 2,6 Millionen Jahren) und die der Zweihöckrigen Kamel-Ahnen etwas später im Unterpliozän global nach oben schnellte. Das war offensichtlich auch klimabedingt sowie Erfolg der gelungenen Anpassungsmaßnahmen. Zuvor hatten weitaus mehr Lama- und Alpaca-Vorfahren die Familiengruppe beherrscht – erst viel später fand dann auch die vermehrte Domestikation der heutigen Nutztiere ihren Niederschlag im Erbgut. Die ersten Vertreter der Schwielensohler-Großgruppe waren bereits im Eozän vor 40 bis 50 Millionen Jahren in Nordamerika aufgetaucht.

Durch Analyse des Transkriptoms des Baktrischen Kamels gewannen die Forscher zudem Hinweise darauf, wie die Tiere auf molekularer und zellulärer Ebene tatsächlich arbeiten, um sich vor Austrocknung zu schützen. So zeigt sich etwa, dass die Tiere viele Kanalproteine im Nierengewebe deutlich anders regulieren als andere Organismen. All das trägt zu ihren verschiedenen Wassersparmechanismen bei – und wohl auch zur physiologischen Eigenheit ihrer Höcker, die eine besondere Aufgabe beim Fettstoffwechsel übernehmen, welche aber noch nicht vollständig verstanden ist.

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