Jupitermonde: Wie dick ist Europas Eiskruste?

Seit rund neun Jahren umrundet die NASA-Sonde Juno den Riesenplaneten Jupiter im Abstand von 33 Tagen. Erst bei der Verlängerung der Mission flog die Sonde, die primär für die Erkundung des Gasriesen selbst konzipiert wurde, auch an drei der vier Galileischen Monde vorbei. Am 29. September 2022 kam sie dem Jupitermond Europa bis auf 320 Kilometer nahe. Neben Bildern, die mit der Hauptkamera JunoCam entstanden, wurde auch das Microwave Radiometer (MWR) eingesetzt, um Informationen über die Eiskruste des Monds und ihre Struktur zu erhalten. Mitte Januar 2026 stellte die NASA die Ergebnisse dieser Untersuchungen vor, die im Fachjournal »Nature Astronomy« publiziert wurden. Wie die Gruppe um Steve Levin vom Jet Propulsion Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena feststellte, beträgt die Mindestdicke der Eiskruste etwa 29 Kilometer.
Das entspricht der maximalen Eindringtiefe der Mikrowellen, die mit dem MWR beobachtet werden. Sollte sich unter der festen Kruste eine Schicht aus warmem, konvektivem Eis anschließen – wie es das Team um Levin für möglich hält –, könnte die Eiskruste insgesamt noch deutlich dicker sein. Darunter sollte sich den gängigen Vorstellungen zufolge ein Ozean aus flüssigem Wasser befinden. Enthält das krustale Eis jedoch auch einen mäßigen Anteil an gelösten Salzen, würde die feste Eisschicht in den Messungen etwa fünf Kilometer dünner erscheinen als bei einer salzfreien Eiskruste.
Aus den MWR-Daten lässt sich außerdem ableiten, dass die Eiskruste in ihrer Struktur nicht völlig homogen ist. Es zeigen sich Hinweise auf Sprünge und Risse im Eis, es könnte auch Hohlräume geben. Diese Inhomogenitäten sind allerdings nur wenige Zentimeter groß und befinden sich in den obersten 200 Metern der Eiskruste.
Weitere Details über die Oberflächenbeschaffenheit des Jupitermonds Europa und seines tiefen Innenlebens sollen die beiden Raumsonden JUICE von der ESA und Europa Clipper der NASA herausfinden, die sich im Anflug auf den Riesenplaneten befinden und diesen Anfang der 2030er-Jahre erreichen werden. Vor allem die NASA-Sonde wird bei rund 50 nahen Vorbeiflügen an Europa umfangreiche Messungen durchführen, um den Mond möglichst vollständig zu erfassen und zu kartieren. Dann lässt sich möglicherweise endgültig die Frage klären, ob sich unter dem dicken Eispanzer wirklich ein Ozean aus flüssigem Wasser verbirgt und ob er lebensfreundliche Bedingungen bieten kann.
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