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News: Wie dick sind die Anden?

Die zentralen Anden recken sich bis zu sieben Kilometer in die Höhe. Doch das Gebirge reicht auch weit in die Tiefe: Unter den zentralen Anden in Nordchile ist die Erdkruste doppelt so mächtig wie unter Europa. Die Gesteinstypen der ozeanischen Erdkruste, die unter das Gebirge verschluckt werden, lassen sich bis in über 120 Kilometer Tiefe nachweisen.
Die Anden entstanden durch die Kollision der ozeanischen Nazca-Platte, die sich mit bis zu zehn Zentimetern pro Jahr nach Osten bewegt, mit dem südamerikanischen Kontinent. In diesem Prozess taucht die ozeanische Platte unter dem Kontinent ab, wodurch Erdbeben und Vulkanismus, aber auch wichtige Rohstofflagerstätten entstehen.

Dieses Abtauchen des Ozeanbodens haben Wissenschaftler vom GeoForschungszentrum Potsdam (GFZ) mit einer neuen seismischen Methode nachgewiesen. Dabei stellten sie fest, dass erst in 120 Kilometern Tiefe die Umwandlung der Gesteine der ozeanischen Kruste in Hochdruckgesteine des Erdmantels abgeschlossen ist. Mit dieser Gesteinsumwandlung hängen vermutlich auch die in dieser Tiefe gehäuft auftretenden Erdbeben zusammen. Außerdem entdeckte die Arbeitsgruppe, dass die Erdkruste unter dem Altiplano über 70 Kilometer mächtig ist. Unter der südlicher gelegenen Puna-Hochebene erreicht die Kruste dagegen eine Stärke von nur etwas über 50 Kilometern (Nature vom 21. Dezember 2000).

"Die Ursachen für diese Krustenverdickung liegen einerseits darin, dass von Osten her die brasilianische Erdkruste unter die Anden geschoben wird. Zum anderen wird beim Abtauchen der ozeanischen Platte Gestein in der Tiefe aufgeschmolzen. Dieses dringt als Magma von unten her in das Krustengestein ein und verdickt dadurch die Kruste. Diese Prozesse konnten wir zweifelsfrei erkennen," erklärt Rainer Kind vom GFZ Potsdam. "Im Westen der zentralen Anden überwiegt das Eindringen von Magma in die Kruste, im Osten die Unterschiebung der brasilianischen Lithosphäre unter das Altiplano."

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