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Menschheitsgeschichte

Wie die ersten Siedler nach Schweden kamen

Genome von nordeuropäischen Jägern und Sammlern geben neuen Aufschluss über die Ahnen der Skandinavier.
Schädel aus dem schwedischen Ölsund von zirka 2300 vor Christus, der im MPI für Menschheitsgeschichte in Jena lagert

Wie gelangten die ersten Siedler nach Schweden? Die Antwort suchte ein internationales Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena in den Genomen von 38 Menschen, die von der Mittelsteinzeit bis 500 v. Chr. in Nordeuropa lebten. Wie der Archäogenetiker Johannes Krause und seine Kollegen jetzt in der Fachzeitschrift "Nature Communications" berichten, wurde Skandinavien demnach über eine nördliche Küstenroute sowie auf einem südlichen Weg über Dänemark besiedelt. Dabei brachten die Menschen auch Gene jener anatolischen Bauern mit, die vor rund 8200 Jahren die Landwirtschaft in Europa etablierten.

Das prähistorische Nordeuropa gilt in mancher Hinsicht als Spätzünder, denn dort siedelten sich die ersten Menschen erst vor 11 000 Jahren an und lebten weiterhin vom Jagen und Sammeln, während die Landwirtschaft in Mitteleuropa schon weit verbreitet war. Sie hielt in Südskandinavien vor rund 6000 Jahren Einzug, ein Jahrtausend später als in Mitteleuropa.

Um mehr über die Herkunft der ersten Skandinavier herauszufinden, entnahmen die Genetiker 81 DNA-Proben aus Knochen und Zähnen von Menschen, die zwischen Mittelsteinzeit und später Bronzezeit im östlichen Baltikum lebten. Dazu analysierten sie rund 6000 bis 5300 Jahre alte menschliche Überreste von ersten Bauern in Südschweden sowie zwei weitere Proben aus dem Nordwesten Russlands. Die ältesten Genome waren ungefähr 12 000 Jahre alt, die jüngsten stammten aus der späten Bronzezeit zirka 1300 bis 500 v. Chr.

Landkarte und Timeline der Genome von frühen Siedlern im Norden und Nordosten Europas
Herkunft von Genomen nordeuropäischer Siedler vor Christus | Die Landkarte zeigt die Orte und Datierungen von mehrere tausend Jahre alten menschlichen Überresten aus Schweden, dem Baltikum und Russland.

Bekannt ist, dass in der Mittelsteinzeit in Europa zwei genetisch verschiedene Gruppen von Jägern und Sammlern lebten. Die Überreste der einen verteilen sich von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Ungarn, die der anderen stammen aus dem Nordwesten Russlands. Nun zeigten die Genom-Analysen: Die DNA der skandinavischen Jäger und Sammler setzte sich aus der westlichen und der östlichen Gruppe zusammen. Die Jäger und Sammler aus dem Baltikum ähnelten allerdings genetisch eher ihren westlichen Nachbarn.

Daraus schlossen die Forscher auf die Route der skandinavischen Siedler: Diese gelangten demnach nicht nur aus dem Süden nach Schweden, sondern auch aus dem russischen Norden. "In Südschweden haben sich die beiden Gruppen vermischt und bildeten gemeinsam die skandinavischen Jäger und Sammler", erläutert Johannes Krause, Direktor des Jenaer MPI-Instituts für Archäogenetik. Die genetischen Befunde stützen damit andere archäologische Hinweise auf eine nordöstliche Küstenroute und eine südliche von Dänemark nach Südschweden.

05/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05/2018

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