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Kölner Stadtarchiv: "Wie ein Kartenhaus zusammen gefallen"

Augenzeugen sahen, wie die Risse an den Wänden des Kölner Stadtarchivs hoch wanderten – kurze Zeit später stürzte das Gebäude ein. Zwei benachbarte Gebäude brachen ebenfalls teilweise zusammen. Die meisten der Mitarbeiter und Besucher des Archivs konnten sich vor dem Einsturz in Sicherheit bringen, nachdem ein dumpfes Grollen und seltsame knackende Geräusche sie aus dem Haus getrieben hatte. Zwei bis fünf Menschen werden derzeit noch vermisst. Möglicherweise ist der nahe gelegene U-Bahn-Bau für den Kollaps des 1971 erbauten Hauses verantwortlich. Mitarbeiter bemängeln nun, dass in der Vergangenheit Schäden am Gebäude nicht ernst genommen wurden.

Der langjährige Archivleiter Eberhard Illner wirft den Verantwortlichen "grob fahrlässiges" Handeln vor. "Da muss ein Ingenieur richtig einen an der Klatsche haben, wenn man solche Hinweise nicht ernst nimmt", sagte er gegenüber der Online-Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers. Illner berichtet von Senkungsrissen im Keller, die er selbst im Sommer 2008 bemerkt und an die Archivleitung weitergegeben hätte. Gegenüber dem WDR bezeichnete er den Einsturz als "absehbare Katastrophe". Auch eine Mitarbeiterin des Archivs bestätigt häufige Wasserschäden.

Im historischen Archiv der Stadt Köln – eines der größten Stadtarchive Deutschlands – lagern Dokumente aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte. Die Sammlung umfasst 65.000 Urkunden, 104.000 Karten und eine halbe Million Fotos. 800 private Nachlässe und Sammlungen, wie etwa des Schriftstellers Heinrich Böll, befinden sich ebenfalls dort Die Zerstörung einmaliger mittelalterlicher Ratsprotokolle und Urkunden sei nicht nur für Köln, sondern auch für die europäische Geschichtsschreibung eine Katastrophe, sagt Illner. "Die gesamte Überlieferung der Stadt Köln ist komplett vernichtet". Das tatsächliche Ausmaß des Verlustes wird sich erst in den nächsten Tagen ermessen lassen, denn dann beginnt die Bergung von Dokumenten.

Tabea Rueß

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