Neues Weltraumteleskop der NASA: Wie geht es weiter mit dem Nancy Grace Roman Telescope?

Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop der NASA übertrifft bereits jetzt alle Erwartungen. Nachdem es vorzeitig und im Rahmen des Budgets die Startrampe erreicht hatte, gelang dem aus dem Spionagesatellitenbereich stammenden Vier-Milliarden-Dollar-Projekt am 30. August 2026 ein makelloser Start ins All. Bei einer nachfolgenden Pressekonferenz wiesen NASA-Vertreter darauf hin, dass die Präzision des Flugs der Rakete, die das Teleskop ins All beförderte, so hoch war, dass Roman wahrscheinlich weniger Kurskorrekturen benötigen wird als geplant. Das bedeutet, dass der an Bord befindliche Treibstoff stattdessen dazu genutzt werden könnte, die auf fünf Jahre angelegte Mission des Observatoriums auf ein ganzes Jahrzehnt zu verlängern.
Roman wurde an Bord einer Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX vom Kennedy Space Center der NASA in Florida ins All befördert und befand sich »genau dort, wo es sein musste«, sagte Denton Gibson, Startleiter des Launch Services Program der NASA, bei der Presseveranstaltung. »Das ist eine gewaltige Leistung, denn wir wissen: Je präziser die Trägerrakete ist, desto mehr wissenschaftliche Erkenntnisse können wir gewinnen.«
»Ein Start ist so etwas wie ein Übergangspunkt«, sagte Julie McEnery, leitende Projektwissenschaftlerin für Roman am Goddard Space Flight Center (GSFC) der NASA. »Es ist ein Übergang, weil es für die Ingenieure ein Endpunkt ist, für die Wissenschaftler jedoch ein Ausgangspunkt.«
Wenige Sekunden nach dem Abheben am 30. August 2026 passierte die Falcon Heavy aus Sicht des NASA-Fotografen John Kraus die Sonnenscheibe. Der heiße Abgasstrahl der 27 Triebwerke der Rakete verwirbelt die Luft, sodass das Sonnenlicht wie ein Wasserstrahl erscheint. Zudem lassen sich um die Sonne herum konzentrische Wellen erkennen, es sind Stoßfronten, die durch die überschallschnellen Gase entstehen, die aus den Triebwerken austreten. Sie sorgen auch für das charakteristische Knattern einer aufsteigenden Großrakete beim Start.
»Roman wird zu einer Wissenschaft beitragen, welche die Welt verändert«, sagte NASA-Administrator Jared Isaacman. Neben dem Weltraumteleskop Hubble und dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) der Behörde »wird Roman neben diesen großartigen Entdeckungsinstrumenten zu einem Begriff werden.«
Reise zum Zielort
Etwa 30 Minuten nach dem Start trennte sich Roman von seiner Rakete, entfaltete erfolgreich seine Solarpaneele zur Stromversorgung und den Sonnenschutz zur Kühlung des Raumfahrzeugs und wird in Kürze seine Hochleistungsantenne für die Breitbandkommunikation mit der Erde ausfahren.
Schon einen Tag nach dem Start führte das Observatorium auf seiner etwa dreimonatigen Reise zum zweiten Lagrange-Punkt L2 des Erde-Sonne-Systems eine Kurskorrektur durch. An diesem Ort, der von der Sonne aus gesehen 1,5 Millionen Kilometer hinter der Erde liegt, wird Roman auf einem Orbit um L2 seine wissenschaftliche Mission zur Erforschung von Dunkler Energie, Dunkler Materie und Exoplaneten beginnen.
Rund eine halbe Stunde nach dem Abheben an Bord einer Falcon-Heavy-Rakete von Cape Canaveral in Florida trennte sich das Nancy Grace Roman Space Telescope von der zweiten Stufe seiner Trägerrakete und befindet sich seitdem auf dem Weg zu seinem Einsatzort.
Unterwegs wird das Teleskop mit einem 2,4 Meter großen Hauptspiegel seine beiden wichtigsten wissenschaftlichen Nutzlasten in Betrieb nehmen: eine Weitwinkel-Infrarotkamera für Panoramaaufnahmen des Kosmos, deren Sichtfeld 100-mal so groß ist wie dasjenige des Hubble-Teleskops, sowie einen hochmodernen Koronografen zur Aufnahme beispielloser Bilder von Exoplaneten.
Nicky Fox, stellvertretende Administratorin der NASA-Abteilung für Wissenschaftsmissionen, fasste auf der Pressekonferenz das schiere Ausmaß der erwarteten Entdeckungen von Roman zusammen: »Milliarden von Galaxien werden entdeckt werden, Dutzende Milliarden neuer Sterne, Zehntausende neuer Planeten und Tausende von Supernovae – alles vereint in einem einzigen wunderschönen Teleskop.«
Das Observatorium dürfte noch vor den Winterferien seine ersten Bilder zur Erde senden, sagte Jackie Townsend, Romans Projektleiterin am GSFC. Und das erste Jahr der wissenschaftlichen Beobachtungen des Teleskops, welches im Januar 2027 beginnen soll, wird spannend werden. Eine der obersten Prioritäten der Mission ist es, den Koronografen auf Herz und Nieren zu prüfen – vermutlich durch Aufnahmen bekannter Exoplanetensysteme. »Lasst uns diese Technologiedemonstration erst einmal erfolgreich meistern, damit wir darüber nachdenken können, was wir als Nächstes mit diesem Instrument tun möchten«, sagte McEnery. Beobachtungen mit Romans Koronografen könnten jupiterähnliche Planeten um nahegelegene Sterne enthüllen und werden die Entwicklung des »Habitable Worlds Observatory« der NASA leiten, das auf kleinere, erdähnlichere Welten abzielen wird.
Erste Schritte
Ein weiterer Schwerpunkt der Mission in der Anfangsphase wird darin bestehen, mit der Weitwinkelkamera von Roman den sternenreichen, zentralen Bulge der Milchstraße zu untersuchen. Diese Beobachtungen werden »einen tieferen, schärferen Blick auf das Zentrum unserer Galaxis« ermöglichen als je zuvor, so McEnery. Letztlich wird das den Großteil von mit Roman neu entdeckten Exoplaneten liefern, während das Missionskontrollern gleichwohl Gelegenheit bietet, die Leistung des Teleskops am Himmel zu beurteilen.
Im ersten Jahr wird Roman außerdem eine Pilotuntersuchung von Supernovae durchführen, die am Himmel aufblitzen, und separat aus der galaktischen Ebene hinausblicken, um eine bessere Sicht in den weit entfernten Kosmos zu gewinnen – ähnlich wie bei früheren Tiefenfeldaufnahmen (englisch: deep fields) von Hubble, JWST und anderen Teleskopen.
»In einem Jahr werden wir Tausende neuer Exoplaneten gefunden haben, [und] wir werden den Koronografen genutzt haben, um zum ersten Mal neue Technologien im Weltraum zu demonstrieren«, sagte McEnery. »Wir werden unsere Pilotuntersuchung durchgeführt haben …, sodass wir neue präzise Messungen von Supernovae vornehmen werden. Genau diese Beobachtungen werden es uns ermöglichen, das Unerwartete zu entdecken … Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dabei auf etwas stoßen werden, womit wir nicht gerechnet haben. Und ich denke, das wird wahrscheinlich das spannendste Ergebnis [des ersten wissenschaftlichen Jahres von Roman] sein.«
Der vielleicht vielversprechendste Aspekt von Roman ist die Kombination seiner Beobachtungsdaten mit denen des Hubble-Teleskops, des JWST und anderer Einrichtungen wie dem US-amerikanischen Vera-C.-Rubin-Observatorium in Chile und dem Weltraumteleskop Euclid von der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Rubin und Euclid führen jeweils eigene Panorama-Himmelsdurchmusterungen durch, die sich in wesentlichen Bereichen mit denjenigen von Roman überschneiden. Alle drei Projekte werden gemeinsam dazu beitragen, die Veränderungen der kosmischen Struktur im Lauf der Zeit besser zu erfassen – entscheidende Informationen, um die Natur der Dunklen Energie und der Dunklen Materie in der Entwicklung des Universums zu klären.
Und obwohl Roman als Durchmusterungsteleskop einen breiteren und schnelleren Überblick über den Himmel bietet als Hubble oder JWST, betonte McEnery, dass dies die stärker fokussierten Missionen nicht überflüssig mache. »Es gibt Dinge, die Hubble [und JWST] leisten können, die von keinem unserer anderen Observatorien reproduziert werden«, sagte sie. »[Mit Roman] definieren wir neu, was es bedeutet, eine Nadel im Heuhaufen zu finden – und wenn wir diese Nadeln finden, können wir mit Hubble und Webb dann nachforschen, während Roman weiterzieht, um neue Dinge zu entdecken.«
Ein unerwarteter Anruf
Einer der überraschendsten Momente der Pressekonferenz nach dem Start ereignete sich, als Isaacman mitten in der Besprechung einen unerwarteten Anruf von Präsident Donald J. Trump erhielt, der den Erfolg der Mission über die Freisprechanlage lobte. Dies markiert einen Sinneswandel der Regierung, die wiederholt drastische Kürzungen im wissenschaftlichen Bereich der NASA vorgeschlagen hatte, darunter auch die vollständige Streichung von Roman. Letztlich wurde das Observatorium durch das Eingreifen des US-Kongresses gerettet.
Isaacman nahm diese Kehrtwende gelassen hin. »Der Präsident der Vereinigten Staaten ist begeistert von unserem nächsten großartigen Erkundungsprojekt, das gerade auf den Weg gebracht wird. Ich halte das für einen großartigen Moment«, sagte er. »Deshalb bin ich unglaublich dankbar für seine Unterstützung … Ich glaube fest daran, dass wir gerade in ein neues goldenes Zeitalter der Entdeckungen eintreten, und ich denke, ich werde dem Präsidenten dafür noch viel zu verdanken haben.«
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