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Ikone der nordamerikanischen Fauna: Wie gelang die Bison-Invasion Amerikas?

Bevor das Eis kam, beherrschten Pferde und Mammuts die Prärie Nordamerikas. Dann öffnete sich ein Landweg nach Asien - und Asiens Büffel begannen ihren Siegeszug.
Amerikanischer BisonLaden...

Den Vorfahren der Bisons, den amerikanischen Büffeln, gelang vor Jahrtausenden eine der erfolgreichsten Einwanderungswellen in der Geschichte der Säugetiere, als sie von Sibirien nach Alaska wanderten: Verblüffend bald nach ihrer Ankunft grasten sie schon den ganzen Nordkontinent ab und hatten den bis dahin die Prärie dominierenden Mammuts und riesenhaften Wildpferden den Rang streitig gemacht. Wie gelang den großen Pflanzenfressern der Durchmarsch – und wann hat er begonnen? Früher als gedacht und schneller als bisher für möglich gehalten, meinen nun Wissenschaftler nach der Auswertung von Paläogendaten und Fossilvergleichen. Die Ergebnisse räumen zudem mit einem alten Irrtum der Büffelforschung auf.

Genanalysen hatten schon vor gut einem Jahrzehnt nahegelegt, dass die ältesten gemeinsamen Vorfahren der Bisons aus Sibirien und Amerika vor vielleicht 140 000 Jahren gelebt haben: Damals konnten sie bei Niedrigwasser trockenen Fußes von Asien nach Alaska ziehen. Im Wesentlichen bestätigen diese Einschätzung nun die neuen Untersuchungen, die von Duane Froese von der University of Alberta in Edmonton und Kollegen durchgeführt wurden. Wahrscheinlich kamen die ersten Tiere aber sogar noch einige Jahrzehntausende früher in Amerika an: Der älteste Vorfahre lebte vielleicht schon vor 195 000 Jahren, und ein im Norden des kanadischen Bundestaates Yukon ausgegrabenes Tier ist nun mit 130 000 Jahren das älteste sicher datierte Fossil eines Steppenbisons (Bison priscus).

Als noch aufregender entpuppten sich bei den Genanalysen aber Knochen, die in Colorado gefunden wurden: Sie stammen von einem 120 000 Jahre alten Fossil der an den langen Hörnern und der Körpergröße erkennbaren Spezies Bison latifrons, die vermeintlich am Ende der Eiszeit ausgestorben ist. Tatsächlich, so zeigen die Genvergleiche jetzt, handelte es sich wohl gar nicht um eine zweite Art der Bisons: Die beiden vermeintlichen Spezies B. priscus und B. latifrons haben eine gemeinsame mütterliche Linie, die sich auch später noch in Steppenbisons aus dem Süden nachweisen lässt – beide Formen der amerikanischen Büffel sind demnach eher morphologisch unterschiedliche Ausprägungen oder Unterarten. Dies war bisher übersehen worden, weil die meisten B. latifrons weiter im Süden gefunden wurden, wo analysierbare DNA – anders als im Permafrost im nördlichen Kanada – nicht gut überdauert. Beim Fossil aus Colorado halfen nun vor allem bessere, moderne Extraktionsmethoden.

Die Bisonformen sind wohl sehr rasch bis in den Süden Nordamerikas vorangekommen, so die Forscher weiter: Nach nur rund 20 000 Jahren waren sie in ganz Nordamerika verbreitet. Danach begannen dann wechselhafte 100 000 Jahre für den erfolgreichen Einwanderer: Vor rund 45 000 Jahren, so zeigen die Genvergleiche, kam eine zweite frische Einwanderungswelle an – und etwas später brach die Population vor vielleicht 37 000 Jahren plötzlich ein, was vermutlich auf eine Klimaveränderung zurückzuführen war. Die Menschen in Amerika hatten dabei wohl noch nicht ihre Hand im Spiel – anders als in der Neuzeit vor gut 200 Jahren, als menschliche Jagdwut die Zahl der Büffel innerhalb kürzester Zeit auf wenige Exemplare schrumpfen ließ.

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