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Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Anden-Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff nachgewiesen

Der Erreger, der auf dem Schiff »Hondius« mutmaßlich drei Menschen tötete, ist das Anden-Hantavirus. Es kann sich vermutlich von Mensch zu Mensch ausbreiten. Was bedeutet das?
Ein großes Kreuzfahrtschiff fährt auf einem ruhigen Meer, umgeben von einer malerischen Landschaft mit felsigen Küsten und grasbewachsenen Hügeln. Im Vordergrund sind zahlreiche Robben auf den Felsen zu sehen, während im Hintergrund eine Bergkette den Horizont dominiert. Der Himmel ist klar und blau.
Die »Hondius« in Südgeorgien im April 2023. Das Schiff einer niederländischen Reederei bietet Kreuzfahrten im Südpolarmeer an.

Bei dem Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff, durch das bisher wahrscheinlich drei Menschen starben, handelt es sich um das Anden-Hantavirus. Es wurde inzwischen bei drei erkrankten Personen nachgewiesen. Der Erreger ist das einzige Hantavirus, bei dem es Hinweise gibt, dass es sich direkt von Mensch zu Mensch verbreiten kann. Indizien lassen es als möglich erscheinen, dass das Virus auf dem Schiff zumindest teilweise auch zwischen Menschen übertragen wurde. Bisher ist jedoch weiterhin unbekannt, wo und wie sich die Betroffenen angesteckt haben.

Dass Ratten an Bord den Ausbruch auslösten, ist damit jedoch wohl vom Tisch – die nämlich übertragen das Anden-Hantavirus nicht. Neben der diskutierten Mensch-zu-Mensch-Übertragung auf dem Schiff ist es wegen der oft langen Inkubationszeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit ebenso möglich, dass sich die Betroffenen noch auf dem argentinischen Festland angesteckt haben.

Die Analysen bestätigen frühere Vermutungen, das in Argentinien verbreitete Virus könnte für den Ausbruch an Bord verantwortlich sein. Neben dem Reisebeginn in Argentinien sprach bereits die hohe Zahl der Toten für diesen Erreger. Mit einer Fallsterblichkeit von rund 50 Prozent gehört das Anden-Hantavirus zu den tödlichsten Hantaviren. Einschließlich einer Person in der Schweiz, die das Schiff bereits im April verlassen hatte und nun positiv auf das Virus getestet wurde, gibt es nun vier nachgewiesene Hanta-Infektionen unter den Passagieren sowie vier Verdachtsfälle. Drei Menschen starben, darunter eine Person aus Deutschland, eine weitere Person wird in Südafrika intensivmedizinisch behandelt.

Hantaviren kommen weltweit bei Nagetieren vor und können auch bei Menschen sehr schwere Erkrankungen auslösen. Menschen infizieren sich jedoch für gewöhnlich über Urin oder Fäkalien von Nagern und geben das Virus selbst nicht weiter. Deswegen ist der Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff so ungewöhnlich. Solche Reisen sind sehr effektiv darin, ansteckende Krankheiten weit zu verteilen – im Umkehrschluss würde man eine Krankheit wie Hanta, die nicht direkt zwischen Menschen weitergegeben wird, dort nicht erwarten.

Dass der Erreger dort dennoch einen Ausbruch auslöste, könnte darauf hindeuten, dass er eben doch direkt übertragen wird. Auch das Muster der Infektionen lässt sich dahingehend interpretieren. Die »Hondius« war am 1. April vom argentinischen Hafen Ushuaia gestartet, hatte unter anderem die Antarktische Halbinsel besucht und sollte nach dem Ende der Kreuzfahrt an den Kapverden zu den Kanarischen Inseln weiterfahren. Die ersten beiden Opfer waren ein Ehepaar und wurden nacheinander krank. Der Mann starb am 11. April, seine Frau dann am 26. April in Johannesburg. Am 2. Mai starb eine Person aus Deutschland. Eine solche zeitversetzte Abfolge könnte auf eine Ansteckungskette hindeuten. Laut Berichten infizierte sich auch der Arzt an Bord, der mit Erkrankten aller Art engen Kontakt hatte und durch übertragbare Erkrankungen entsprechend gefährdeter ist.

Derzeit befindet sich das Schiff bei den Kapverdischen Inseln, Crew und Passagiere werden an Bord versorgt und überwacht. Fachleute versuchen nun herauszufinden, was hinter den Infektionen steckt. Welches Virus genau beteiligt ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.Es gibt eine ganze Reihe von Hantaviruslinien, die Menschen krank machen. Je nachdem, welches Hantavirus beteiligt ist, können zwei typische Ausprägungen der Krankheit entstehen. Altwelt-Hantaviren wie das in Deutschland verbreitete Puumalavirus verursachen typischerweise ein hämorrhagisches Fieber (vergleichbar mit Filoviren wie Ebola), bei dem die Nieren stark betroffen sind. An Altwelt-Hantaviren sterben bis zu 10 bis 15 Prozent der Infizierten.

Neuwelt-Hantaviren wie das Sin-Nombre-Virus aus Südamerika lösen dagegen meist das sehr viel tödlichere Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS) aus, an dem ein Drittel bis über die Hälfte der Infizierten sterben. Bisher ist nicht bekannt, welche Art von Virus für die Erkrankungen auf dem Kreuzfahrtschiff verantwortlich ist, die hohe Sterblichkeit spricht jedoch für ein Neuwelt-Hantavirus.

Wie kam das Virus auf das Kreuzfahrtschiff?

Bisher ist völlig unklar, wie das Virus acht Menschen auf dem Schiff anstecken konnte. Normalerweise passiert das dort, wo Nagetiere leben, die den Viren als Wirt dienen. Doch mit der Bestätigung des Anden-Hantavirus erscheint klar, dass Hausmäuse und Wanderratten, die auf Schiffen auftauchen, hier keine Rolle spielen. Sie tragen überwiegend das Seoul-Hantavirus, welches das wesentlich weniger tödliche hämorrhagische Fieber auslöst. Sie spielen auch im Vergleich zu Wildtieren eine geringere Rolle bei menschlichen Hantainfektionen. So steckt man sich in Deutschland überwiegend im Wald oder in der Nähe des Waldes mit Hantaviren an, wo die Rötelmaus als einer der wichtigsten Überträger lebt.

Am wahrscheinlichsten ist nach wie vor, dass die Infizierten sich entweder noch in Argentinien selbst oder auf einer der Zwischenstationen der Kreuzfahrt an den Fäkalien wilder Nagetiere angesteckt haben. Genauer lässt sich das nicht eingrenzen, denn die Inkubationszeit der Krankheit kann von wenigen Tagen bis mehrere Wochen reichen. Es ist sogar denkbar, dass die Hanta-Infektionen mit der Kreuzfahrt gar nichts zu tun haben. Prinzipiell konnten sich alle Betroffenen unabhängig voneinander in Argentinien infiziert haben und schlicht zufällig auf dem gleichen Schiff gelandet sein. Das ist allerdings außerordentlich unwahrscheinlich.

Die nun weithin diskutierte Übertragung von Mensch zu Mensch auf dem Schiff, ausgehend von einer zuvor in Argentinien infizierten Person, ist zwar möglich, aber ebenfalls ein recht unwahrscheinliches Szenario. Solche Übertragungen sind extrem selten und ungewöhnlich, und manche Fachleute sind sogar der Ansicht, dass die vorhandenen Belege auch beim Anden-Hantavirus dafür nicht ausreichen und Hanta allgemein nicht zwischen Menschen weitergegeben kann. Für diese Sicht spricht, dass es bei keinem anderen Hantavirus auch nur Anzeichen für Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt.

2014 berichteten Fachleute jedenfalls, dass es bei einem Ausbruch des Anden-Hantavirus 2011 zu Übertragungen zwischen Menschen gekommen sei, darunter auch zwei Pflegekräfte einer Klinik. Dieser Fall wird jedoch nach wie vor kontrovers diskutiert, und es gibt noch andere mögliche Interpretationen. Dennoch nehmen Fachleute diese Möglichkeit sehr ernst. Die beengten Bedingungen auf Kreuzfahrtschiffen sind jedenfalls besonders günstig für die Ausbreitung von Krankheiten, etwa analog zu Gefängnissen oder Slums. Dadurch könnten sich dort womöglich auch Erreger ausbreiten, die normalerweise dafür nicht ansteckend genug sind. Die Möglichkeit, dass das Hantavirus hier einen Weg fand, sich direkt zwischen Menschen zu verbreiten, lässt sich deswegen nicht völlig ausschließen. Die Behörden versuchen jetzt, die Kontaktpersonen Infizierter unter anderem in Südafrika nachzuverfolgen, um zu verhindern, dass sich möglicherweise weitere Menschen anstecken.

[Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurd am 6.5.2026 überarbeitet und aktualisiert.]

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