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Spieltheorie: Wie Mann die Gunst einer Frau erringt

Wie wählen Menschen einen Partner aus, mit dem sie sich fortpflanzen wollen? Und unter welchen Umständen findet der Akt tatsächlich statt? Das Paarungsverhalten des Homo sapiens bewegt Evolutionstheoretiker seit langem. Doch wie erforscht man dieses Verhalten am besten?
Spieltheoretiker Peter Sozou und seine Kollegen vom University College London begaben sich nicht auf die Pirsch, um das Balzverhalten von Homo sapiens in freier Wildbahn zu beobachten. Stattdessen erstellten sie ein mathematisches Modell, mit dem sie menschliches Verhalten am Computer simulieren können.

Glaubt man den Forschern, zeigt sich die menschliche Balz als ein Drama in vier Akten: Zuerst bietet das Männchen ein Geschenk an. Gefällt das dem Weibchen, nimmt es dies an. Nun entscheidet es, ob es sich mit dem Männchen paaren möchte. Sollte es tatsächlich dazu kommen, hat das Männchen die Wahl, ob es bleibt, um den hoffentlich gezeugten Nachwuchs großzuziehen, oder ob es das Weite sucht. In letzterem Fall müsste die Frau das Kind allein versorgen – ein erhebliches materielles Risiko.

Das Geschenk soll dabei das Objekt der Begierde davon überzeugen, dass der Mann es tatsächlich ernst meint und sie nicht mit dem Nachwuchs sitzen lassen wird. Im Modell von Sozou hat der Mann die Qual der Wahl zwischen einem billigen, einem extravaganten oder einem wertvollen Geschenk. Dabei unterscheiden sich extravagante und wertvolle Geschenke nicht im Preis, sondern im Wiederverkaufswert. Wertvoll meint Gegenstände, die man an sich nehmen und weiterverkaufen kann wie beispielsweise ein Schmuckstück. Als extravagant gelten dagegen gemeinsame Unternehmungen wie ein Theaterbesuch oder eine Reise, die zwar ebenso kostspielig sind, aber dem Beschenkten keinen monetären Nutzen verschaffen.

Bei jeder Entscheidung in diesem Drama erwägt das Individuum, ob der erwartete Nutzen die befürchteten Kosten übersteigt. Eine Frau lässt sich demnach niemals mit einem Mann ein, den sie nicht attraktiv findet – dessen Gene also vermutlich von geringer Qualität sind. Das Risiko verlassen zu werden übersteigt in diesem Fall den "genetischen Nutzwert" des Kindes. Zudem weist sie jeden zurück, der ihr ein billiges Geschenk anbietet.

Männer nehmen es dagegen nicht so genau: Sie paaren sich gemäß dem Modell mit jeder Frau, um ihre Gene möglichst weit zu verbreiten. Allerdings bieten sie Frauen, die sie nicht attraktiv finden, nur billige Geschenke an, was – wie oben gezeigt – nicht zum gewünschten Erfolg führt.

Damit scheint rechnerisch belegt, dass kostengünstige Geschenke wie Blumen aus dem eigenen Garten oder selbst verfasste Liebesgedichte nicht geeignet sind, um die Gunst einer Frau zu erobern – wenn auch die eigene Erfahrung dieser Erkenntnis widersprechen mag. Interessant dürfte auch die Tatsache sein, dass sich offensichtlich nur die attraktivere Hälfte der Menschheit fortpflanzt – auch das entspricht nicht unbedingt der Wahrnehmung der Realität im Alltag. Für beide Erkenntnisse verzichteten die Wissenschaftler auf Beobachtungen des tatsächlichen Verhaltens ihres Forschungsobjektes.

Und was ist nun das richtige Geschenk? Im Gegensatz zu preiswerten kommen extravagante und wertvolle Geschenke bei Frauen gut an. Allerdings erweisen sich beide als nicht gleich günstig für den Mann: Ein wertvolles Geschenk kann angenommen werden, ohne dass es danach tatsächlich zum Akt kommt. In diesem Fall ist der für sich Werbendende sein Geld los, ohne sich fortpflanzen zu dürfen, und sie steckt den monetären Vorteil ein. Ein extravagantes Geschenk dagegen lässt sich von der Frau nicht zu Geld machen und zwingt sie darüber hinaus, Zeit mit dem edlen Spender zu verbringen. Nimmt sie ein solches Geschenk an, kann der Mann auf mehr hoffen – in diesem Fall hat sich die Investition gelohnt.

Vielleicht können spieltheoretische Forscher die Welt mit einem weiteren Modell beglücken, das uns verrät, mit welchem Geschenk ein Mann, der sich bereits gebunden hat, seine Liebste am meisten beeindrucken kann. Und das, wenn möglich, bitte noch vor Weihnachten – Millionen von Männern werden es ihnen danken.
03.08.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 03.08.2005

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