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Ägypten offline: Wie Mubarak das Internet abschalten ließ

Ein Land erlebt den digitalen Blackout: Ägypten hat fast das gesamte Land vorübergehend vom globalen Netz abgeschnitten. Doch wie funktionierte das überhaupt?
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Vorübergehend war Ägypten für das Internet ein weißer Fleck auf der Landkarte – mit wenigen Ausnahmen. Nach zahlreichen Berichten über die Abschaltung einzelner Netze und der Blockade von Diensten wie Twitter und Facebook, folgte in der Nacht des 27. Januars vorübergehend die Total-Blockade. Ein in der Geschichte des Internets bislang einmaliger Vorgang.

Die Abschaltung über Nacht war auch deshalb möglich, weil das von seiner Struktur her dezentrale Internet in Ägypten gar nicht so dezentral organisiert ist: Zwar gibt es in Ägypten zahlreiche kleine Internetprovider – doch diese kommen bei der Kommunikation mit dem Ausland nicht um das Netz der vier großen Provider Link Egypt, Vodafone/Raya, Etisalat Misr und Telecom Egypt herum. Die Internet-Infrastruktur ist ähnlich organisiert wie Ägypten selbst: Entlang des Nils mit Kairo als alles dominierendem zentralem Knotenpunkt.

Bei der Abschaltung des Internets bediente sich das Regime von Präsident Husni Mubarak einer "sehr groben Keule", wie es der IT-Sicherheitsexperte Lutz Donnerhacke, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters IKS Jena, ausdrückt. Denn die ägyptische Regierung setzte die Axt tief in der Infrastruktur des Netzes an: Beim Border Gateway Protocol (BGP), das für den Austausch zwischen verschiedenen Providernetzen zuständig ist.

Es dient der Kommunikation der Provider untereinander, um die Datenpakete im Internet durch die Netze zu lotsen. Dabei funktioniert das BGP nach dem "Stille-Post-Prinzip": Von Server zu Server wird der Standort der Daten weitergetragen. Wenn das Protokoll blockiert wird, weiß kein Datenpaket mehr, wo es hin soll.

Radikallösung lässt kaum Schlupfwege offen

Gegen diese Radikallösung ist kein Kraut gewachsen: Nicht einmal über ausländische Proxyserver konnten die Ägypter noch Websites erreichen, da auch diese Rechner nicht erreichbar waren. Der Schaden für die ägyptische Wirtschaft, die somit eines wichtigen Teils ihrer Infrastruktur im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht beraubt wurde, dürfte enorm sein.

Donnerhacke hält es daher auch für wenig wahrscheinlich, dass diese Art der radikalen Netzabschaltung viele Nachahmer in anderen Staaten finden wird. "Eine derartige Totalabschaltung wird in den wenigsten Staaten politisch durchsetzbar sein".

Die Opposition in Ägypten hatte das Internet von Anfang an als Organisationsplattform genutzt. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bildete eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Bewegung 6. April" die Keimzelle der breiten Protestbewegung. Die Gruppe war in Solidarität mit dem jungen Ägypter Ahmad Maher gegründet worden, der von der Polizei gefoltert und bedroht wurde, nachdem er den Streik von Textilarbeitern am 6. und 7. April 2008 öffentlich gemacht hatte. 80 000 Mitglieder der Facebook-Gruppe riefen zu Demonstrationen am 25. Januar auf, die den Stein schließlich ins Rollen brachte. Auch der Historiker Niall Ferguson betonte im Interview mit dem Handelsblatt die Rolle moderner Kommunikationsmittel für die Revolte.

Für die ägyptische Volksbewegung gegen die Regierung hat sich die Kommunikationssituation während des Wochenendes offenbar wieder leicht verbessert. Seit Samstag, dem 29. Januar 2011, funktioniere die mobile Sprachtelefonie im Lande wieder, sagte Albrecht Hofheinz, Wissenschaftler für arabische Sprache und Kultur, Golem.de. Doch SMS funktioniere nur lückenhaft.

Per Modem – langsam, aber erfolgreich

Trotz aller Einschränkungen der Kommunikation gab es in Ägypten weiter die Möglichkeit, sich per Modem über das Telefonnetz einzuwählen, um den Rechner über einen Einwahlknoten mit dem Internet zu verbinden. Dieser schmalbandige Internetzugang werde von den Menschen auch genutzt, sagte Hofheinz. Auf dem Wiki Werebuild.eu wurde eine Liste von Einwahlverbindungen online gestellt. Hofheinz: "Wie viele Menschen derzeit Dial-up oder andere Möglichkeiten nutzen, wissen nur die jeweiligen Provider. Dazu ist meines Wissens nach noch nichts veröffentlicht worden."

Außer Einwahlverbindungen im Ausland gebe es auch noch einige Einwahlverbindungen in Ägypten selbst. "Der Internet Service Provider Noor bietet auch weiter DSL an." Daneben könnten die Menschen das Internet auch per Satellit nutzen, was aber in Ägypten weniger verbreitet sei. "Die ISPs haben angeblich Sonntagabend die Anweisung erhalten, sich bereitzuhalten, um das Internet jederzeit wieder anzuschalten. Für die Wirtschaft steht zu viel auf dem Spiel", sagte Hofheinz.

Facebook-Gruppen seien wichtig, um aktuelle Informationen zu Entwicklungen auf Demonstrationen zu verbreiten. Eine davon heißt We are all Khaled Said. Khaled Said war ein junger Ägypter, der im Sommer 2010 laut Augenzeugenberichten in Alexandria auf der Straße von zwei Polizisten zu Tode geprügelt wurde. Eine weitere wichtige Gruppe sei El Sheikh Emam, erklärte Hofheinz.

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