Direkt zum Inhalt

News: Wie Raupen sich vor Infektionen schützen

Raupen besitzen kein Immunsystem im herkömmlichen Sinn, doch ganz schutzlos gegenüber Infektionen sind sie damit trotzdem nicht. Wie britische Forscher jetzt bei Versuchen mit Raupen des Tabakschwärmers Manduca sexta feststellten, können die Tiere Schutzproteine gegen Bakterien produzieren.

Zunächst hatte das Team der Universität in Bath die Raupen mit Antibiotika gefüttert. Dann wurden die Tiere zuerst mit harmlosen E.Coli-Bakterien geimpft und etwas später folgte eine Infektion mit einem üblicherweise tödlichen Erreger. Bei der Analyse von Blutproben dieser Raupen machten die Forscher eine überraschende Entdeckung: Beim ersten Kontakt mit einem Erreger werden in den auf die Proteinproduktion spezialisierten Fettkörpern so genannte "Pattern Recognition Receptors" (Rezeptoren zur Mustererkennung) gebildet, die sich dann auch bei einer weiteren Infektion bestens bewähren. Offenbar können diese Proteine die Erkennungsmuster des ersten "Feindkontakts" auf weitere Keiminvasionen übertragen. Durch den Einsatz von RNA-Interferenz-Techniken konnten die Wissenschaftler nachweisen, das verschiedene Proteine diese Fähigkeit besitzen.

Diese Erkenntnisse über das Abwehrsystem des Tabakschwärmers könnten weitreichende Folgen für die Schädlingsbekämpfung haben, bei der seit geraumer Zeit häufig biologische Agenten wie Bakterien, Pilzsporen oder Würmer gegen Raupen und Co auf den Feldern eingesetzt werden. Bislang ging man davon aus, dass die Schädlinge gegen diese Strategie wehrlos seien – ein Irrglaube, wie die neuen Studien jetzt nahelegen. Danach macht ein Kontakt mit einem Erreger die Raupen erst richtig fit gegen andere Infektionen.
13.07.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.07.2005

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos