Walrettung: Wie steht es um den kranken Buckelwal an der Ostseeküste?

Aktualisiert am 08.04.2026 um 18:30 Uhr.
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal liegt Fachleuten zufolge im Sterben. Dass der Wal nicht auf die Boote reagiere, sei ein Zeichen für den Sterbeprozess, sagte Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland der dpa. Wie lange dies dauere, sei unklar. Seit rund einer Woche liegt der gestrandete Buckelwal im flachen Ostseewasser vor Wismar. Am Dienstag hatten Expertinnen und Experten ausgeschlossen, das Tier lebendig zu bergen. Ein Expertenteam sei am Vormittag des 7. April 2026 erneut mit einem Schlauchboot beim Wal gewesen, um sich ein aktuelles Bild zu machen, sagte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums. Taucher hätten zudem die Lage und Position des Tiers überprüft, um zu erkennen, ob es weiter in den Ostseeboden eingesunken ist. Das traurige Fazit lautet: Das Tier soll weder lebend geborgen werden, noch werde es sich aus eigener Kraft befreien können. Das teilte die aus Meeresbiologen und Veterinären bestehende Expertengruppe nach diversen wissenschaftlichen Untersuchungen bei einer Pressekonferenz mit.
Die Hauptprobleme seien das Gewicht des Buckelwals und das flache Wasser, sagte König. »Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das Gewicht wird immer weiter auf die Organe drücken, das führt zu Organversagen und Kreislaufkollaps«, so die Expertin. »Es hängt davon ab, wie viel Auftrieb er im Wasser hat und vom Gesamtzustand.« Der Patient sei »schwerstkrank«, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), über den großen Meeressäuger. Er werde wohl sterben. »Wir wissen bloß nicht, wie lange er noch braucht für diesen Prozess. Das wissen wir alle nicht. In der Wissenschaft sagt man: Wenn er an Land liegt, um die fünf Tage, wenn er im Wasser ist, kann es auch länger dauern.«
Durch den viel zu geringen Salzgehalt in der Ostsee hat der Wal Hautprobleme. Seit dem Wochenende ist bekannt, dass er auch verletzt ist, mutmaßlich durch Schiffsschrauben. Zudem gebe es Abdrücke, wahrscheinlich von einem Netz. Aufgrund seines Gewichts war der Wal in den Meeresgrund eingesunken. Zuvor hatte Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) gesagt, dass sich der Zustand der Haut des Tieres zuletzt weiter verschlechtert habe. »Sie fängt an, auf der Oberfläche deutlich einzureißen«, sagte Groß. Würde man versuchen, den Wal etwa mit Gurten oder Seilen anzuheben, bestehe die Gefahr, die Haut abzuziehen.
Lebendbergung ausgeschlossen
Der Wal sei in seiner aktuellen Position von weniger Wasser umgeben als an früheren Orten. »Das heißt, es ist davon auszugehen, dass es auch zu Organschäden gekommen ist.« Man müsse davon ausgehen, dass das Tier am Stress sterben würde, wenn man es aufnehmen würde, sagte Groß. »Deshalb würden wir auf alle Fälle davon abraten, dieses Tier irgendwie lebend bergen zu wollen.« Das Institut hatte seine tierärztliche Expertise bei der Bewertung des Gesundheitszustands des Tieres eingebracht.
Zuletzt hatte auch ein neuer Rettungsversuch mit einem Katamaran im Raum gestanden. Das Boot sei in Dänemark verfügbar und könne das zwölf Tonnen schwere Tier mit breiten Gurten hochheben und lebend transportieren, wie es hieß. »Das schließen wir jetzt aus«, sagte Backhaus nun. »Wenn dem Wal ein guter Zustand bescheinigt worden wäre, hätten wir das auch in Angriff genommen.«
Der Wasserstand liege aktuell bei 1,40 Meter, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek. Das Tier liege »in einer Mulde im sehr weichen Sediment von etwa 30 Zentimetern«, der Rücken rage rund 40 Zentimeter aus dem Wasser. »Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der um etwa 60 Zentimeter höher ist als heute.«
Diese Hoffnung gebe es aber nicht. »Die Prognose gibt das nicht her für die nächsten vier Tage. Da ist eher ein leicht sinkender Wasserstand vorhergesagt«, sagte Baschek. »Darüber hinaus sind die Gesamtkonstitution und Kraft schlichtweg nicht vorhanden.« Die Situation sei für alle unbefriedigend und es sei nicht schön, das Tier dort draußen so zu sehen. »Das ist für uns alle sehr bitter.« Zuletzt war der Pegelstand laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie wieder höher gewesen.
Zustand des Wals verschlechtert sich
Groß sagte, dass der Wal zuletzt auf Annäherung per Boot praktisch nicht mehr reagiert habe. Zuvor habe er noch die Schwanzflosse bewegt oder den Kopf angehoben. Zuletzt habe er die Annäherung aber »relativ stoisch hingenommen«.
Den Wal zu erlösen, wurde laut Ministerium intensiv geprüft und kommt demnach nicht infrage. Bei den grundsätzlich anwendbaren Methoden – wie dem Einsatz einer Harpune, der Verabreichung von Giftstoffen oder einer Sprengung – gebe es ein erhebliches Restrisiko, dass sie nicht unmittelbar wirken und das Tier dadurch zusätzlich leiden würde.
Das Konzept für eine spätere Bergung steht nach den Worten von Backhaus. »Das Konzept ist fertiggestellt, das ist in der Endabstimmung«, sagte er. Die Bergung müsse zwei Tage vorbereitet werden und würde dann einen Tag dauern. Wann geborgen werden soll, ist bislang nicht bekannt. Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark stünden dafür unter Vertrag.
Auf hoher See sinken Wale nach dem Tod auf den Boden und stellen dort eine wichtige Nahrungsressource für viele Arten dar. Zudem wird damit langfristig Kohlenstoff gebunden. (dpa/kmh)
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