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Großspende : Wiedergutmachung für die Verwendung von HeLa-Zellen

Ihre Zellen werden von zahllosen Forschungseinrichtungen verwendet, gefragt wurde Henrietta Lacks nie. Nun hat erstmals ein Institut eine Wiedergutmachungszahlung geleistet.
HeLa-Zellen unter dem RasterelektronenmikroskopLaden...

Das Howard Hughes Medical Institute (HHMI) hat angekündigt, einen sechsstelligen Betrag der Henrietta Lacks Foundation zu spenden. Damit will die medizinische Großforschungseinrichtung ihren Beitrag zur Wiedergutmachung der historischen Ungerechtigkeit leisten, die die Afroamerikanerin Henrietta Lacks in den 1950er Jahren erfahren hat.

Ihrer schwer krebskranken Patientin hatten 1951 die beiden Wissenschaftler George und Margaret Gey, die damals an der Johns Hopkins University in Baltimore arbeiteten, eine Gewebeprobe aus dem Tumor am Gebärmutterhals entnommen. Die darin enthaltenen Zellen hatten, anders als normale Körperzellen, die Fähigkeit, sich beliebig oft zu teilen – ein enormer Vorteil für die Forschung an Zellkulturen. Unter dem Namen HeLa-Zellen kamen die Zellen der Frau bald in Labors weltweit zum Einsatz. Heute stellen sie einen Grundpfeiler für die Wissenschaft dar.

Nur: Nach ihrem Einverständnis ist Lacks, die acht Monate nach dem Eingriff mit 31 Jahren verstarb, nie gefragt worden. Und weder sie noch ihre Angehörigen wurden für die Entnahme finanziell entschädigt. Die Episode ist nicht ungewöhnlich für den häufig rassistischen Umgang US-amerikanischer Forscher mit Farbigen im 20. Jahrhundert.

Dem Magazin »Nature« sagte Erin O’Shea, die Direktorin der Einrichtung, es sei richtig, öffentlich einzugestehen, dass die Zellen unrechtmäßig entnommen wurden. Für jede bisher am HHMI erzeugte neue HeLa-Zelllinie sowie für alle künftigen neuen Linien spendet das Institut nun einen fixen Betrag an die Henrietta Lacks Foundation. Wie hoch dieser Betrag genau ist, teilte das HHMI nicht mit.

Die nach der jungen Frau benannte Stiftung vertritt die Interessen von Menschen, die ohne ihr Einverständnis zum Objekt wissenschaftlicher Forschung gemacht wurden. Dazu zählen etwa auch Angehörige der Opfer des berüchtigten Tuskegee-Experiments, bei dem Schwarze zu Forschungszwecken mit Syphilis infiziert, aber nicht behandelt wurden. Gründer der Stiftung ist Rebecca Skloot, die mit ihrem Bestseller »Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks« das Schicksal der jungen Frau publik gemacht hat.

Die Spende des HHMI ist laut »Nature« die erste eines großen wissenschaftlichen Instituts. Skloot hofft, dass die Aktion eine Vorbildwirkung für andere Forschungseinrichtungen entfaltet: »Umso näher kommen wir dem Ziel, das erlittene Unrecht wiedergutzumachen«, sagte sie dem Wissenschaftsmagazin.

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