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Teilchenphysik: Wilde Spekulationen um LHC-Anomalie

Buckel bei 750 Gigaelektronvolt: Mehr Gammastrahlen als angenommen lassen Physiker-Fantasien ins Kraut schießen.
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Ein Überschuss an Paaren von Gamma-Photonen bei einer Energie von etwa 750 Gigaelektronvolt (GeV) lässt die Physikwelt aufhorchen. Zwei Teams am CERN fanden in den LHC-Daten einen Buckel in der Energieverteilung solcher Gammastrahlenpaare, der möglicherweise auf ein neues, bisher unentdecktes Elementarteilchen hindeutet. Der Befund erinnert oberflächlich an jene Anomalie, die sich als erstes Indiz für das später identifizierte Higgs-Boson zeigte, jedoch ist in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit eines Zufallsereignisses mit über einem Prozent deutlich höher. Wegen der enormen Anzahl an Kollisionen und Messungen treten solche Schwankungen in Teilchenbeschleunigern manchmal auf – sie verschwinden meist im Lauf der Zeit mit mehr Daten wieder.

Bemerkenswert ist allerdings, dass zwei Teams unabhängig voneinander auf die Häufung stießen – Analysen der Detektoren CMS und ATLAS zeigen 10 und 40 überschüssige Ereignisse bei 750 GeV. Ein neues Teilchen dieser Energie wäre viermal so schwer wie das schwerste bisher bekannte Teilchen und würde, so die Hoffnung, den Rahmen des bisherigen Standardmodells sprengen. Deswegen häufen sich auf dem Preprint-Server ArXiv.org schon einen Tag später allerlei vorläufige Interpretationen des bislang fragwürdigen Befunds. Selbst wenn sich die Anomalie als real erweist, besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich das neue Teilchen als vergleichsweise unspektakulärer Verwandter des Higgs-Bosons erweist. Im Lauf des nächsten Jahres sollen die Ergebnisse in neuen Experimenten gezielt überprüft werden, heißt es am CERN.

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