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Der Sternenhimmel im Oktober: Wintersterne - ihrer Zeit voraus

In diesem Monat schwingen sich die zwei Sterne Kapella und Fomalhaut fast gleichzeitig hoch in den Himmel hinauf. Allerdings folgen sie sehr unterschiedlichen Bahnen.
Sternenhimmel
Bei klarer Nacht können Sie an den Oktoberabenden zwei helle Sterne aufgehen sehen: Der erste Stern, im Fuhrmann (Auriga) gelegen, ist Kapella (Alpha Aurigae). Er liegt bei einer Deklination von plus 46 Grad und geht dementsprechend in Mitteleuropa nie unter, sondern schrammt höchstens am Nordhorizont entlang. Die andere Sonne befindet sich bei fast minus 30 Grad im Südlichen Fisch (Piscis Austrinus) und trägt den arabischen Namen Fomalhaut (Alpha Piscis Austrinus), zu Deutsch: Maul des Fischs. Beide steigen fast gleichzeitig in die höheren Regionen unseres Nachthimmels auf. Das Interessante daran: Fomalhaut - im Sudosten – gehört zu den Herbststernen und Kapella – im Nordosten – zu den Wintersternen.

Jahreszeiten im Fuhrmann | Den Stier an den Hörnern packt der Fuhrmann. Sein Stern Kapella steht bei uns jede Nacht am Himmel. Aldebaran dagegen zeigt sich nur im Winterhalbjahr.
Wenn Sie eine Karte aus einem Atlas betrachten, wird dort der Himmel eben abgebildet. Die Rektaszension ist, bezogen auf den Himmel, das Pendant zum Längengrad auf der Erde, die Deklination dagegen entspricht der geografischen Breite. Fomalhaut finden Sie in der Rektaszension wesentlich weiter im Westen. Dieser Versatz nach Westen erklärt den Unterschied in der Jahreszeit. Allerdings liegt Kapella wesentlich näher am Polarstern, Astronomen sagen kurz: im Norden. Kapella ist sogar der nördlichste unter den sehr hellen Sternen, der einzige zirkumpolare, er geht also nie unter. So beschreibt er am Himmel einen sehr großen Bogen fast genau über den Zenit hinweg, bevor er wieder zum Horizont hinabtaucht. Er ist deshalb auch von Anfang Herbst bis weit in den Fruhling hinein sichtbar.

Fomalhaut ist für Beobachter in unseren Breiten der südlichste unter den hellen Sternen. Er steht die meiste Zeit unterhalb des Horizonts und durchläuft nur einen kurzen Bogen am Südhorizont, wenn er an Herbstabenden sichtbar ist. Bis zum Winter verschwindet er schon wieder. Er ist der einzige 1.-Größe-Stern in den traditionellen Herbstkonstellationen und auch der einzige auffällige im Südlichen Fisch. 25 Jahre braucht sein Licht bis zur Erde. Fomalhaut hat somit den gleichen Abstand wie die bekannte helle Wega (Alpha Lyrae). Diese befindet sich zu den Zeiten unserer Übersichtskarte schon recht tief im Nordwesten.

Abendstern Venus im Oktober | Sie verpassen keinen Spielfilm auf der Jagd nach Venus – sie ist um 20.15 Uhr schon untergegangen
Venus ist so hell, dass Sie sie leicht in der Dämmerung erkennen können, auch wenn sie schon tief im Südwesten steht. Sie steigt während des Monats noch ein bisschen höher und Sie können mit einem Teleskop beobachten, wie ihr Scheibchen von der Sonne ziemlich genau zur Hälfte angestrahlt wird.

Merkur ist nur Ende Oktober sichtbar und selbst dann müssen Sie im Westsüdwesten sehr dicht über dem Horizont nach ihm Ausschau halten, etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Feldstecher erleichtern Ihnen im hellen Licht der Dämmerung die Suche ein wenig. Merkur befindet sich weit rechts unterhalb von Venus. Lassen Sie sich jedoch nicht von Antares verwirren, der an diesem Abend zwischen den beiden steht.

Mars steigt Anfang Oktober gegen 21 Uhr Sommerzeit über den Horizont. Ende des Monats geht er bereits gegen Einbruch der Dunkelheit auf. Er wird allmählich größer, bis er der Erde am 29. Oktober am nächsten kommt. Sein Abstand verkürzt sich dabei von etwa achtzig auf siebzig Millionen Kilometer, so gering wie er bis 2018 nicht mehr sein wird. Allerdings steht Mars dann lange nicht so nahe bei uns wie 2003, dafür fast doppelt so hoch über dem Horizont. Die geringeren atmosphärischen Störungen ermöglichen schärfere Teleskopbilder. Seine scheinbare Helligkeit erreicht dann stattliche –2,3te Größe, das rote Planetenscheibchen schwillt auf einen Durchmesser von zwanzig Bogensekunden an.

Saturn taucht am späteren Abend auf | Der Ringplanet gibt sich erst nach Mitternacht die Ehre.
Saturn – mitten im Krebs (Cancer) – geht am Anfang des Monats gegen 2 Uhr auf (oben rechts). Den schönsten Anblick durch ein Teleskop bietet er uns zu Beginn der Morgendämmerung, wenn er hoch im Südosten steht. Der Mond besucht mit zunehmender Sichel die Venus in der Morgendämmerung des 6. Oktober und Antares in der folgenden Nacht. Am 18. Oktober gehen Mars und der abnehmende Mond nebeneinander auf. In der nächsten Nacht ist der Erdtrabant bereits bei den Plejaden. An Pollux in den Zwillingen zieht er in der Nacht vom 23. auf den 24. vorbei. Am 25. und 26. ist er am Morgenhimmel nahe bei Saturn und am 27. vor der Dämmerung bei Regulus im Löwen.

Mond- und Planetenlauf im Oktober | Das Monatspanorama zeigt Phasen und Positionen des Monds vom 1. bis zum 27. Oktober. Die Pfeile kennzeichnen die Bewegungen von Sonne und Planeten vor den Fixsternen von Monatsanfang bis -ende. Die untere Leiste gibt die ungefähre Ortszeit an, zu der der darüberliegende Bereich bei Monatsmitte im Süden steht.
Am 17. Oktober ereignet sich eine Halbschatten- Mondfinsternis – leider haben wir Europäer überhaupt nichts davon, sie findet nämlich unseren Uhren nach um die Mittagszeit statt. Australier müsste man sein! Oder doch nicht – denn dort ist von der Feiertagssonnenfinsternis am 3. Oktober nichts zu sehen. Der Streifen, in dem man die ringförmige Phase sehen kann, ist nicht sehr breit und verläuft von der Iberischen Halbinsel quer durch Afrika bis hin nach Kenia und Somalia. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ergibt das eine partielle Finsternis, bei der bis zu sechzig Prozent der Sonnenscheibe verdunkelt werden.

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