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Schutz vor Infektionen: Wir erkennen, wer uns anstecken könnte

Ein großer Feind des Menschen sind seit jeher die kleinen Krankheitserreger - und eine Waffe der Körperabwehr könnte sein, jeden ansteckenden Artgenossen zu meiden. Aber wie erkennt man ihn rechtzeitig?
Ein eindeutig krank aussehender Mann schneuzt ins Taschentuch Laden...

Ein harter Rüstungswettlauf mit Viren, Bakterien und Pilzen hat dafür gesorgt, dass der Mensch über ausgefeilte Waffen gegen Infektionskrankheiten verfügt und immer weiter entwickelt: Offenbar war dies, seit es die Menschheit gibt, für das Fortbestehen der Art besonders wichtig. Dabei beschränkt sich die Abwehr von Ansteckung aber wohl nicht nur auf das Immunsystem, sondern auch auf das Verhaltensprogramm, wie Wissenschaftler schon seit Langem vermuten: Menschen ändern Gewohnheiten, um das Infektionsrisiko zu senken. So könnten wir zum Beispiel einen Mitmenschen eher meiden, sobald dieser als krank und ansteckend zu erkennen ist. Dazu muss er sich nicht einmal durch Niesen, Husten oder Fieber eindeutig zu erkennen geben, so das Resultat einer in "PNAS" veröffentlichten Studie. Sie findet nun Hinweise darauf, dass wir bereits bei einem ganz frisch, seit rund zwei Stunden erkrankten Gegenüber an Gesicht und Geruch ablesen können, ob er gerade zum möglichen Ansteckungsrisiko mutiert.

Darauf deuten die Ergebnisse von Christina Regenbogen von der RTWH Aachen und ihren Kolleginnen hin, die das Immunsystem von 22 Freiwilligen mit einer nicht allzu gesundheitsschädlichen Dosis eines bakteriellen Endotoxin angestachelt hatten: Die Körperabwehr reagiert darauf prompt, was sich in den Blutwerten niederschlägt und sich für die Probanden subjektiv in allerlei Krankheitsymptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen äußert, die nach wenigen Stunden wieder verschwunden sind. Die leidenden Kandidaten – und ebenso viele mit einer harmlosen Salzlösung geimpfte, gesunde Vergleichsprobanden – wurden dann fotografiert; zudem sammelten die Forscher Geruchsproben von den T-Shirts, die die Teilnehmer getragen hatten. Fotos und Geruchsproben wurden schließlich einer zweiten Gruppe von 30 Probanden, deren Hirnaktivität per MRT überwacht wurde, zur Begutachtung präsentiert.

Dabei zeigte sich, dass die Begutachter im Schnitt Gesunde und krank Gespritzte mit einem Blick auf ihr Foto unterscheiden konnten: Kränkliche Probanden wurden zum Beispiel statistisch häufiger als weniger gesund aussehend, zudem aber auch als weniger sympathisch oder attraktiv bewertet. Die MRT-Auswertung belegte zudem, dass der Blick auf kränkliche Gesichter bestimmte Hirnareale stärker aktivierte, die unter anderem an der Gesichtererkennung beteiligt sind. Analog dazu arbeiten bei der Geruchsbewertung bestimmte Areale stärker, wenn die Duftproben der "Kranken" zu verarbeiten waren. Anders als der Anblick scheint der Geruch allerdings eher unbewusst in die Bewertung einzufließen: Im Geruchstest selbst konnten die Probanden krank und gesund riechende Proben nicht immer eindeutig benennen und zuordnen – anders als die Aktivität der Hirnareale nahelegen würde.

Offensichtlich können Menschen ein frisch erkranktes Gegenüber umso besser erkennen, je mehr subtile Eindrücke zusammenkommen – also etwa eine ungesunde Gesichtsfarbe und ein kränklicher Geruch. Was der Mensch mit diesen Informationen dann macht, ist nicht immer eindeutig, jedenfalls könnte summierender Sinnesinput aber Hirnareale im Kortex wie etwa die Amygdala und den Hippocampus zuschalten: Dies mag dann in Gegenwart von Kranken ein Warnsignal generieren und Verhaltensänderungen wie ein Meideverhalten anregen.

Tatsächlich ist mit weniger subtilen Versuchen schon gezeigt worden, dass Menschen auf offensichtlich Kranke reagieren: Bestimmte Bereiche unseres Immunsystem kurbeln die Aktivität hoch, sobald wir heftig niesende Menschen oder Ekel erregende Bilder wahrnehmen, und zumindest für verschiedene Säugetiere ist eindeutig nachgewiesen, dass sie kranke Artgenossen am Duft erkennen. Demnach verfügen auch Menschen sicher über ein Sensorium für die Krankheit und könnten es im Falle eines Falles nutzen, wenn nicht andere gute, etwa soziale Gründe dagegen sprechen.

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