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Weltweiter Tierschwund: Wirbeltierpopulationen sinken um durchschnittlich 60 Prozent

Gegessen, vergiftet, verdrängt: Auch Arten, die nicht vom Aussterben bedroht sind, werden vom Menschen dramatisch dezimiert. Ein Bericht nennt Zahlen.
Orang-Utan auf Holzfällergleisen

Naturschutz hin oder her, Wirbeltiere werden weltweit nach wie vor dramatisch dezimiert. Zu diesem Ergebnis kommt der »Living Planet Report« der Zoologischen Gesellschaft London im Auftrag des World Wildlife Fund (WWF) nach einer Bestandsaufnahme von 16 000 Populationen, die etwa 4000 Arten abdecken. Im Durchschnitt lebten an den untersuchten Orten im Jahr 2014 etwa 60 Prozent weniger Individuen der jeweils untersuchten Art als noch 1970. Der wichtigste Grund für den Rückgang der weltweiten Wirbeltierpopulation ist die Zerstörung ihres Lebensraums, der zweitwichtigste, dass sie essbar sind. Am stärksten betroffen sind Mittel- und Südamerika; dort gingen die Tierzahlen der einzelnen Arten um nahezu 90 Prozent zurück – vor allem weil artenreiche Urwälder durch Sojaplantagen und andere Agrarflächen ersetzt werden.

Der WWF-Bericht befasst sich im Gegensatz zu den meisten Bestandsaufnahmen nicht mit dem Aussterben ganzer Tierarten; die Vielzahl der aussterbenden Arten habe anscheinend die Regierungen weltweit nicht genug interessiert, um etwas zu ändern, heißt es nüchtern. Stattdessen katalogisiert er die Anzahl von Tieren einer Art, die in einem Gebiet leben. Die Ergebnisse passen allerdings zu anderen Indikatoren der globalen Biodiversität: Es geht insgesamt bergab, und zwar steil. Nur wenige Tiere in dem Katalog erholen sich gegen den Trend, insbesondere charismatische Großtiere wie Riesenpandas oder Tiger, die aufwändig geschützt werden. Erst im März 2018 hatte ein UN-Bericht gewarnt, der Verlust an Biodiversität sei eine ebenso große Bedrohung für die Zukunft der Menschheit wie der Klimawandel – und verlaufe immer schneller. Daran wird sich bis auf Weiteres vermutlich auch nichts ändern: Der WWF-Report stellt nun obendrein nüchtern fest, dass die meisten Ziele der Biodiversitätskonvention von 2010 wohl nicht erreicht werden.

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