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Weltuntergang: Wird die Erde doch nicht von der Sonne verschluckt?

Wenn die Sonne stirbt, wird sie zum Roten Riesen und die Erde verglüht in ihrer Atmosphäre. Doch stimmt dieses weit verbreitete Szenario überhaupt? Rechnungen zeigen: Das Schicksal des Planeten hängt am seidenen Faden.
Eine Illustration eines astronomischen Szenarios im Weltraum. In ihrem Zentrum befindet sich ein leuchtender, explodierender Stern, der von einer hellen, goldenen Aura umgeben ist. Links im Vordergrund ist ein erdähnlicher Planet mit einer wolkigen Atmosphäre zu sehen. Im Hintergrund sind zwei kleinere Planeten sichtbar, die um den explodierenden Stern kreisen. Der dunkle Weltraum ist mit verstreuten Sternen übersät.
Wenn ihr Wasserstoff verbraucht ist, bläht sich die Sonne zum Roten Riesen auf. Dabei verlieren auch die Planeten Bahnenergie – und könnten verschluckt werden.

Das Schicksal der Erde hängt in der Balance. Wenn sich die Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zum roten Riesenstern aufbläht, wird sie die Erde verschlucken – oder eben doch nicht. Denn anders als viele Menschen denken, ist es keineswegs sicher, dass unser Planet in die sterbende Sonne fällt. Vielmehr hängt das Schicksal der Erde ganz entscheidend von zwei gegeneinanderwirkenden Effekten ab, berichtet ein Team um die Astrophysikerin Leen Decin von der Katholischen Universität Löwen. In einer bereits vorab veröffentlichten und nun in der Fachzeitschrift »Astronomy & Astrophysics« erscheinenden Studie berechnet das Team einerseits, wie die Gezeitenreibung in der Sternenhülle die Erdbahn absenkt, und andererseits, wie schnell die aufgeblähte Sonne Masse durch ihren gewaltigen Sternwind verliert. Laut der neuen Analyse taucht die Erde dabei doch nicht in die Sonnenatmosphäre ein.

Wenn die Sonne den gesamten Wasserstoffvorrat in ihrem Inneren aufgebraucht hat, sackt der Kern des Sterns zusammen, bis Druck und Temperatur ausreichen, um Helium zu fusionieren. Dabei dehnt sich die Sternenhülle bis zum 100-fachen Durchmesser des Ursprungssterns aus. Schließlich entwickelt sich die Sonne zu einem sehr variablen AGB-Riesenstern, der langsam sein Helium verbraucht. Ein AGB-Stern hat die Hauptreihe des Hertzsprung-Russell-Diagramms verlassen und bewegt sich auf dem asymptotischen Riesenast (englisch: asymptotic giant branch, kurz AGB) im Gebiet der Riesensterne. Planeten erzeugen in der Atmosphäre solcher Sterne enorme Gezeiten, verlieren dadurch Bahnenergie und bewegen sich auf spiralförmigen Bahnen allmählich nach innen. Gleichzeitig jedoch bläst der Stern gigantische Mengen Gas in den umgebenden Weltraum und verliert an Masse. Ob ein Planet in den zentralen Riesenstern fällt, hängt dabei von seiner ursprünglichen Umlaufbahn und diesen beiden Faktoren ab.

Die Arbeitsgruppe modellierte die Erdumlaufbahn im Verlauf der Zeit mit genaueren Daten über den variablen Massenverlust des Sterns in seiner AGB-Phase und neuen Modellen der Gezeitenreibung. Dabei kommen die Fachleute zu dem Schluss, dass das Schicksal der Erde am seidenen Faden hängt. Mit dem verwendeten Modell der Reibung und den gemessenen Sternwinden des Riesensterns L2 Puppis im südlichen Sternbild Achterdeck des Schiffes übersteht die Erde das Aufblähen der Sonne. Niedrigere Massenverluste dagegen, ebenso wie ältere Modelle der Gezeitenreibung, führen demgegenüber dazu, dass die Erde schließlich in die Sonne fällt. Die gute Nachricht dabei ist, dass uns das egal sein kann: Die Menschheit wird wohl schon in wenigen Hunderttausend Jahren nicht mehr existieren.

  • Quellen

Esseldeurs, M. et al., Astronomy & Astrophysics 10.1051/0004 bis 6361/202 660 576, 2026

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