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Cannabis: Wird Kiffen riskanter?

Der THC-Gehalt von Haschisch stieg zuletzt immer schneller an, der Preis aber nur wenig und noch weniger der Anteil des entspannenden Wirkstoffs Cannabidiol.
Frau raucht einen JointLaden...

Der THC-Gehalt von Haschisch hat sich über einen Zeitraum von zehn Jahren verdoppelt. Das zeigt eine Analyse von Daten der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, die sich auf beschlagnahmte Cannabisprodukte aus rund 20 europäischen Ländern der Jahre 2006 bis 2016 stützt. Wie der Suchtforscher Tom Freeman von der britischen University of Bath und seine Kollegen in der Zeitschrift »Addiction« schreiben, stieg auch der Preis für das Cannabisharz im gleichen Zeitraum an, jedoch langsamer, so dass Konsumenten immer mehr THC (Tetrahydrocannabinol) für ihr Geld bekommen.

Grund seien neue Techniken bei der Herstellung vor allem in Marokko: Traditionell würden verschiedene Pflanzentypen gemischt, aber die marokkanische Harzproduktion verlagere sich offenbar hin zu Sorten, die anteilig mehr THC enthielten – und weniger an Cannabidiol, das wegen seiner krampf- und angstlösenden Wirkung auch medizinisch eingesetzt wird. Dessen Gehalt sei im selben Zeitraum gleich geblieben oder sogar gesunken.

»Cannabidiol hat das Potenzial, Cannabis sicherer zu machen, ohne die positiven Effekte einzuschränken, die die Nutzer anstreben«, erklärt Tom Freeman in einer Pressemitteilung. Bislang habe das Cannabidiol unerwünschte Nebenwirkungen von THC wie Paranoia, Angstzustände und drogeninduzierte Psychosen beim Haschkonsum ausgleichen können. Der Psychologe warnt: »Was wir in Europa sehen, ist ein Anstieg der THC und entweder ein stabiles oder ein sinkendes Niveau der CBD, wodurch Cannabis möglicherweise schädlicher wird.« Zwar könnten die Konsumenten theoretisch weniger Cannabis in ihren Joint drehen. Doch den Autoren zufolge deuten Studien darauf hin, dass sich das Rauchverhalten nur teils an die steigende Potenz anpasse, so dass die konsumierte Dosis unterm Strich zunimmt.

Die THC-Konzentration von Cannabisgras (Marihuana) sei von 5 auf 10 Prozent, der des Cannabisharzes von 8 auf 17 Prozent gestiegen, wobei sich der Zuwachs bei letzterem mit der Zeit beschleunigt habe, so die Forschenden. Der Harzpreis kletterte im selben Zeitraum von acht auf zwölf Euro pro Gramm, der von Cannabisgras von sieben auf zwölf Euro. Die THC-Menge im Harz nahm so von 11 auf 16 Milligramm pro Euro zu; beim Gras blieb der Wert stabil. Die Zahlen unterscheiden sich jedoch von Land zu Land. Auf konstant höchstem Niveau liegt der THC-Gehalt von Gras der niederländischen Hanfpflanze Nederwiet; beim beschlagnahmtem Hasch hingegen steht Dänemark an der Spitze. Das günstigste Preis-Leistungs-Verhältnis – in Milligramm THC pro Euro – bietet der spanische Schwarzmarkt.

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