Interpersonelle Psychotherapie: Zwei Therapien, ein Wirkfaktor

Die interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine etablierte Kurzzeittherapie gegen Depression, bei der die zwischenmenschlichen Beziehungen der Behandelten im Mittelpunkt stehen. Sie lernen beispielsweise, ihre Gefühle klarer mitzuteilen und auf andere zuzugehen. Experten vermuten, dass dies die »Bindungssicherheit« erhöht, was sich etwa in einem größeren Vertrauen in andere Menschen spiegelt. Forschende aus Kanada und den USA verglichen nun die Wirkung der IPT mit der einer anderen Standardbehandlung gegen Depression, der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT).
Das Team griff auf die Daten einer Studie zurück, in der 80 Erwachsene mit einer depressiven Störung je 16 Sitzungen entweder IPT oder KVT erhalten hatten. Vor, während und nach der Therapie wurden sowohl der Bindungsstil als auch die Depressionssymptome der Teilnehmenden erfasst. Ergebnis: Zwar nahm die Bindungssicherheit im Lauf der Behandlung leicht zu – zwischen interpersoneller und Verhaltenstherapie gab es dabei jedoch keinen Unterschied. Frühe Zunahmen an Bindungssicherheit gingen mit einer geringeren Ausprägung depressiver Symptome am Therapieende einher; auch dies galt für beide Therapieformen gleichermaßen.
Bindungssicherheit scheint damit weniger ein spezifischer Wirkfaktor der interpersonellen Therapie zu sein als ein allgemeiner, von der konkreten Behandlungsform unabhängiger Prozess, schlussfolgert das Autorenteam. Allein die vertrauensvolle Beziehung zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten könnte schon eine Basis für die zwischenmenschliche Weiterentwicklung bilden.
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