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News: Wirksame Krokodilstränen

Die Hornhaut des Auges besitzt keine Blutgefäße, das heißt ihr hauptsächlicher Schutz besteht aus dem Tränenfilm. Schon vor 75 Jahren wurde entdeckt, daß Lysozym in menschlichen Tränen die Bakterienart Micrococcus leisodeikticus abtöten kann. Tränen enthalten jedoch noch andere antibakterielle Wirkstoffe, die Mikroorganismen wie Listeria und Staphylococcus abtöten können.
Jetzt haben Xaio-Dan Qu und Robert Lehrer von der University of California in Los Angeles den wichtigsten bakteriziden Wirkstoff in Tränen identifiziert (Infection and Immunity, Ausgabe vom Juni 1998, Volltext online).

Die Wissenschaftler gewannen die Tränen mit einem bewährten Hausmittel: sie setzten Freiwillige frisch gehackten Zwiebeln aus. Die Forscher untersuchten, wie effektiv die gewonnene Tränenflüssigkeit gegen Bakterien wirksam war. Nach nur einer Stunde waren 99 Prozent der Population an Staphylococcus, Streptococcus, Listeria, Bacillus und Enterococcus durch die Tränen abgetötet, und nach drei Stunden stieg der Anteil auf 99,99 Prozent – eine Statistik, die selbst die Hersteller von Desinfektionsmitteln neidisch machen könnte.

Die Forscher versuchten herauszufinden, welche Bestandteile der Tränen diese bakterientötende Wirkung besitzen. Sie fanden zwei aktive Fraktionen: Eine enthielt Phospholipase A2, die andere das bereits früher identifizierte Lysozym.

Bakterien werden nach dem Aufbau ihrer Zellwand in gram-positiv und gram-negativ eingeteilt. Gereinigte Phospholipase A2 tötete alle gram-positiven, nicht aber die gram-negativen Bakterien (einschließlich Escherichia coli, Salmonella und Pseudomonas). Phospholipase A2 kommt in vielen Geweben und Sekreten vor, wie z.B. rheumatoide synoviale Flüssigkeiten, Blutplättchen, Spermienflüssigkeit und Darmsekreten. Dieses Enzym könnte einen der wichtigsten angeborenen Abwehrmechanismen gegen gram-positive Bakterien darstellen. Da Phospholipase A2 in Entzündungsflüssigkeiten und infiziertem Gewebe vorhanden ist, und für schädlich gehalten wurde, wurde sie bisher bekämpft. Wegen ihrer antibakteriellen Wirkung sollte bei jeder Behandlung zur Hemmung der Phospholipase sorgfältig auf Hinweise auf verstärkte Infektionen geachtet werden.

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