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Schmerzforschung: Wirkstoff aus Chili für gezielte Narkose

Capsaicin ermöglicht es, Körperteile schmerzunempfindlich zu machen, ohne sie zu betäuben und zu lähmen, berichtet eine Forschergruppe um Bruce Bean von der Harvard Medical School in Massachusetts. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass dieser Stoff, der Chilischoten ihre Schärfe verleiht, Narkosemittel gezielt in Schmerzzellen schleust.

Capsaicin öffnet den Ionenkanal TRPV1, der ausschließlich in der Zellmembran von Schmerzneuronen vorkommt – die Ursache für das Brennen, das der Biss auf eine Chilischote auslöst. Sind neben den Capsaicin-Molekülen auch Narkosestoffe vor Ort, so können diese in die Nervenzelle gelangen und sie davon abhalten, Schmerzsignale an das Gehirn zu senden.

Wird ein Schmerzmittel, das die Membran von Neuronen nicht ohne Hilfe durchdringen kann, mit Capsaicin kombiniert, sollte es somit gezielt Schmerzzellen außer Gefecht setzten, ohne andere sensorische und motorische Nerven anzutasten. Vor allem bei Geburten wäre diese Art der Narkose von großem Vorteil: Hier ist es besonders wichtig, dass die Frauen keine Schmerzen, aber trotzdem noch die Kontrolle über ihre Muskeln haben.

Bislang wurde die Kombination nur bei Ratten getestet, doch sind die Forscher "optimistisch, dass diese Methode irgendwann einmal auf den Menschen anwendbar ist und dass sie unsere Erfahrung bei Knieoperationen oder Zahnbehandlungen verändern wird", so Clifford Woolf vom Massachusetts General Hospital. Doch bevor sie die Mischung Menschen verabreichen, müssen die Wissenschaftler einen Trick entwickeln, wie Capsaicin die TRPV1-Kanäle öffnet, ohne dass der typisch brennende Schmerz auftritt. (as)
06.10.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 06.10.2007

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