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News: Wirkungsvolle Wirkungslosigkeit

Hauptsache, ein Mittelchen geschluckt: Oft reicht der reine Glauben an die Wirksamkeit eines Medikaments, dass Kranke wieder gesund werden - selbst wenn sie ohne ihr Wissen nur Traubenzucker oder eine andere wirkungslose Substanz genommen haben. Der so genannte Placebo-Effekt betrifft womöglich 30 Prozent der Patienten. Und offenbar hilft er auch, zumindest kurzfristig, gegen die Parkinson-Krankheit.
Der Tod kommt schleichend: Nervenzellen, die in gesundem Zustand in der Gehirnregion Substantia nigra Dopamin ausschütten, sterben ab. Eine Zeitlang kann der Körper den Verlust offenbar kompensieren – die verbleibenden Neuronen scheinen mehr Dopamin zu produzieren und freizusetzen, und auch die Rezeptoren im Striatum werden wahrscheinlich empfindlicher, sodass die Signalübertragung noch weiterhin zufriedenstellend funktioniert. Irgendwann jedoch ist eine Grenze erreicht, und das beständige Zittern, die verkrümmte Haltung sowie verlorengegangene Reflexe machen die Diagnose immer sicherer: Der Patient leidet an der Parkinson-Krankheit.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, die zumindest über einige Jahre hinweg die Symptome lindern können. Meist handelt es sich dabei um Vorstufen des Dopamins, die im Gehirn enzymatisch in diesen Neurotransmitter umgesetzt werden. Bekanntester und heute am weitesten verbreiteter Vertreter ist Levodopa. Doch die Wirkung hält nicht unbegrenzt an – nach drei bis fünf Jahren lässt sie nach, beginnt zu schwanken oder kehrt sich gar um. Häufig leiden die Betroffenen nun unter unwillkürlichen Zuckungen, die so stark werden können, dass die Kranken nicht mehr essen, reden oder gehen können.

Seit längerem wissen Forscher aber auch, dass selbst mit einem Placebo die Beschwerden von Parkinson-Patienten nachlassen können. Daher untersuchten Jon Stoessl und seine Kollegen von der University of British Columbia in Vancouver, welchen Effekt wirkungslose Medikamente auf die Gehirne ausüben.

Sie teilten ihre Versuchspersonen in zwei Gruppen ein. Die Angehörigen der einen Gruppe wussten in der ersten Phase nicht, ob sie gerade einen Placebo oder das Medikament Apomorphin erhielten, während sie in einer zweiten Phase – ohne Placebo – informiert wurden, dass sie nun ausdrücklich das wirksame Mittel gespritzt bekamen. Den Teilnehmern der anderen Gruppe sagten die Wissenschaftler hingegen vorher, welche Lösung sie ihnen nun verabreichten. Mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie überprüften die Forscher, ob anschließend im Gehirn Dopamin ausgeschüttet wurde.

Und den Ergebnissen zufolge kann auch der Placebo im Gehirn offenbar die Ausschüttung von Dopamin wieder ankurbeln, denn die Effekte von wirksamen und wirkungslosen Mitteln unterschieden sich kaum. Nach Ansicht der Autoren spielt die Erwartungshaltung der Patienten, dass sie eine hilfreiche Substanz bekommen, vielleicht sogar die entscheidende Rolle, denn die Wirksamkeit des Apomorphins verstärkte sich durch den Placebo-Effekt nicht.

Die wirksamen Medikamente werden dadurch jedoch nicht unbrauchbar. Denn ein Placebo-Effekt hält nicht so lange an wie eine richtige Behandlung. Außerdem spiegeln Gehirnaufnahmen nicht unbedingt den klinischen Zustand der Patienten wider, warnt Curt Freed von der University of Colorado. Denn – wie schon beim Placebo-Effekt – spielt hier die Psyche mit: Manche Parkinson-Kranken können zwar nicht mehr gehen, aber immer noch Rad fahren.

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