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Die wichtigsten Wissenschaftsereignisse 2022: Ein Jahr voll Omikron, Mondmissionen und Teilchenphysik

Das Jahr 2022 verspricht, aufregend zu werden. Man darf sich auf diverse Raumfahrten, bessere Impfstoffe, Marsreisen und mehr Klimaschutz freuen. Machen Sie sich bereit für spannende Forschung!
Die wichtigsten Experimente des LHC, ATLAS und CMS, hat man aufgerüstet und um zusätzliche Schichten von Detektorkomponenten erweitert (Symbolbild).

Es gibt was zu berichten. Vieles sogar. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass Forschung und Wissenschaft im Jahr 2022 liefern werden. Im Fokus wird sicherlich das Coronavirus mit seinen Varianten wie Omikron stehen. Welche Impfstoffe noch zu erwarten sind, ist eine der großen Fragen des kommenden Jahres. Doch auch in der Teilchenphysik macht man sich bereit: Am Teilchenbeschleuniger LHC will man wieder loslegen, Gravitationswellendetektoren warten auf das »Go«. Und die USA, Russland und auch Südkorea wollen zum Mond. Aber beginnen wir mit einer unbequemen Wahrheit:

Die Pandemie wird andauern

Während die Covid-19-Pandemie weltweit ins dritte Jahr geht und kein Ende in Sicht ist, besteht die unmittelbare Herausforderung darin, die Auswirkungen der sich schnell ausbreitenden Omikron-Variante besser zu verstehen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Impfstoffe gegen Omikron weniger wirksam sind. Unklar ist zudem, ob die Variante öfter zu schweren Verläufen führt als andere.

Es ist zu erwarten, dass weitere Sars-CoV-2-Varianten entstehen. Sie zu beobachten und zu erforschen, wie sich das Virus nach einer Infektion langfristig auswirkt, wird ebenfalls zum Alltag von Forschenden im Jahr 2022 gehören.

Wohlhabende Länder haben damit begonnen, ihre Bevölkerung zu boostern. Dabei hat fast die Hälfte der Weltbevölkerung noch keine einzige Dosis eines Impfstoffs erhalten. Eine große Frage ist, ob die Pharmaunternehmen auf Patente verzichten oder andere Maßnahmen ergreifen werden, um ihre Impfstoffe für Länder mit geringem Einkommen erschwinglicher zu machen und so die riesige Lücke in der weltweiten Versorgung zu schließen.

In der Zwischenzeit wird man wohl weiter über die Ursprünge des Virus diskutieren. Die Weltgesundheitsorganisation bemüht sich einmal mehr um die Lösung des Rätsels und hat ein Team von 26 Wissenschaftlern ernannt.

Impfstoffe werden aufgerüstet

Impfstoffentwickler konzentrieren sich auf die nächste Generation von Impfstoffen zum Schutz gegen das sich rasch entwickelnde Coronavirus. Im kommenden Jahr könnten Impfstoffe auf der Basis von mRNA entwickelt werden, die auf bestimmte Varianten abzielen.

Derweil hoffen Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens darauf, dass Vakzine relevanter werden, die andere Technologien verwenden. Mittel auf Proteinbasis sind eine konventionellere Art der Immunisierung – einige nutzen Ärztinnen und Ärzte seit Jahrzehnten gegen Krankheiten wie Hepatitis und Gürtelrose – und haben sich im Jahr 2021 in den klinischen Versuchen der Phase III von Covid-19 als viel versprechend erwiesen. Impfstoffe auf DNA-Basis sind billiger in der Herstellung als mRNA-Impfstoffe und erfordern keine Kühllagerung, was sie zu einer gutem Alternative für Länder mit niedrigem Einkommen macht.

Auch für andere bedeutsame Viren und Krankheiten wie HIV, Malaria und Borreliose werden Fortschritte bei Impfstoffen erwartet.

Festtage für Physikerinnen und Physiker

Der Large Hadron Collider (LHC) am europäischen Labor für Teilchenphysik CERN bei Genf war für mehrere Jahre außer Betrieb, im Juni soll es wieder losgehen. Die wichtigsten Experimente des LHC, ATLAS und CMS, hat man aufgerüstet und um zusätzliche Schichten von Detektorkomponenten erweitert. Fortan können Teams daher mehr Daten aus den 40 Millionen Protonenkollisionen sammeln, die jede Komponente pro Sekunde erzeugt.

Zudem werden die vier Gravitationswellendetektoren der Welt – in Japan, Italien und den USA – derzeit aufgerüstet. Schon bald soll eine neue Beobachtungsreihe beginnen.

An der Michigan State University in East Lansing wird die Anlage für »Rare Isotope Beams« voraussichtlich Anfang 2022 in Betrieb gehen. Mit dem 730 Millionen US-Dollar teuren mehrstufigen Beschleuniger sollen tausende neuer Isotope bekannter Elemente synthetisiert und die Kernstruktur sowie die Physik von Neutronensternen und Supernova-Explosionen untersucht werden.

Man fliegt wieder zum Mond

Eine wahre Armada von Orbitern und Landegeräten von Raumfahrtagenturen und privaten Unternehmen soll 2022 zum Mond aufbrechen. Die NASA wird mit dem Orbiter »Artemis I« den ersten Test des längst überfälligen Startsystems durchführen, das Astronauten auf die Mondoberfläche zurückbringen soll. Und der »Capstone«-Orbiter der Behörde wird Experimente zur Vorbereitung der ersten Raumstation durchführen, die den Mond umkreisen soll. Gateway genannt.

Indiens dritte Mondmission Chandrayaan-3 soll als erstes Gerät der Nation eine weiche Landung – ohne Beschädigung des Raumfahrzeugs – absolvieren und wird einen eigenen Rover mitführen. Auch Japan wird mit der SLIM-Mission seine erste weiche Landung auf dem Mond versuchen, und Russland will mit der Landefähre Luna 25 an den Ruhm des sowjetischen Mondprogramms anknüpfen. Der Korea Pathfinder Lunar Orbiter wird Südkoreas eigene Monderkundung einleiten.

Auf privater Seite startet das in Tokio ansässige Unternehmen ispace den Lander Hakuto-R, der den Mondrover Rashid der Vereinigten Arabischen Emirate tragen wird. Zwei US-amerikanische Unternehmen, Astrobotic Technology in Pittsburgh, Pennsylvania, und Intuitive Machines in Houston, Texas, bereiten Sonden vor, die NASA-Instrumente auf die Mondoberfläche bringen sollen.

Es geht zum Mars und zu den Sternen

Eine weitere epische Weltraumreise wird die russisch-europäische ExoMars-Mission sein, die im September starten soll. Läuft alles nach Plan, wird sie den Rosalind-Franklin-Rover der Europäischen Weltraumorganisation zum Mars bringen, wo er nach Spuren früheren Lebens suchen soll. Der Start war ursprünglich für 2020 geplant, wurde aber unter anderem wegen Problemen mit den Fallschirmen verschoben, die es für eine sichere Landung braucht.

China plant zudem die Fertigstellung seiner Raumstation »Tiangong« und hat dafür mehr als 1000 Experimente vorgesehen, die von astronomischen und Erdbeobachtungen bis hin zu den Auswirkungen der Mikrogravitation und der kosmischen Strahlung auf das Bakterienwachstum reichen.

Klimamaßnahmen

Angeregt von dem COP26-Gipfel in Glasgow, Großbritannien, werden Delegierte aus aller Welt im November 2022 in Scharm El-Sheich, Ägypten, bei der COP27 zu einer weiteren Runde der UN-Klimagespräche zusammenkommen. Von den Ländern wird erwartet, dass sie Klimaverpflichtungen eingehen, die mit dem Ziel des Pariser Abkommens von 2015 übereinstimmen, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius über den vorindustriellen Temperaturen zu begrenzen.

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