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Geschlechterlücke : Wissenschaftlerinnen veröffentlichen weniger Arbeiten

Männer und Frauen sind in der Forschung nach wie vor nicht gleich auf. Nun zeigt eine Untersuchung: Wissenschaftlerinnen publizieren hier zu Lande auch weniger als ihre männlichen Kollegen.
Forscherin mit Mikroskop

Frauen sind in Deutschland in der Forschung nicht nur nach wie vor unterrepräsentiert, sie publizieren auch weniger und werden seltener zitiert als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt nun eine speziell auf die Verhältnisse hier zu Lande zugeschnittene Untersuchung des Wissenschaftsverlages Elsevier. Die Forscher werteten Daten von sozialen Netzwerken und aus ihrer Abstract- und Zitationsdatenbank "Scopus" aus, die Kurzzusammenfassungen und bibliografische Angaben zu rund 57 Millionen Artikeln aus mehr als 21 000 wissenschaftlichen Fachzeitschriften enthält; die Angaben bezogen sich auf die Jahre 2010 bis 2014. Dabei errechneten sie, dass Wissenschaftlerinnen in Deutschland im Schnitt 2,07 Arbeiten pro Jahr veröffentlichen, während Wissenschaftler auf 2,34 Publikationen kamen. Am deutlichsten klaffte diese Lücke bei Forschern auseinander, die etwa in der Mitte ihrer wissenschaftlichen Karriere standen: Hier veröffentlichten männliche Wissenschaftler 17,6 Prozent mehr Studien als ihre weiblichen Kolleginnen. Bei jungen Forschern waren es immerhin noch knapp 10 Prozent; erst mit steigender Berufserfahrung schrumpfte der Vorsprung auf 3,4 Prozent zusammen. Gleichzeitig wurden Frauen fünf Jahre nach ihrer ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung auch etwa zu 2,5 Prozent seltener in anderen Aufsätzen zitiert als männliche Wissenschaftler.

Die Elsevier-Studie bietet darüber hinaus auch noch weitere Einblicke, wie Frauen und Männer sich in ihrem wissenschaftlichen Arbeitsverhalten unterscheiden. So zeigt die Untersuchung etwa, dass Frauen untereinander verstärkt auf internationaler Ebene zusammenarbeiten, während gemischtgeschlechtliche Forscherteams stärker interdisziplinär verankert sind. In Disziplinen, in denen Männer nach wie vor die Oberhand haben, stürzen Frauen sich eher auf die gleichen Themengebiete wie ihre Kollegen, während sie sich in Gebieten, in denen das Geschlechterverhältnis ausgeglichener ist, eher ihre eigenen Schwerpunkte suchen.

Die positive Botschaft der Studie ist, dass der Frauenanteil in der Forschung in den vergangenen fünf Jahren vermutlich um insgesamt 25 Prozent angestiegen ist. In absoluten Zahlen hängen Wissenschaftlerinnen ihren männlichen Kollegen aber immer noch weit hinterher: Knapp 55 000 Forscherinnen zählten die Studienautoren 2014, im Vergleich zu etwa 123 000 Forschern. Mit rund 30,9 Prozent hat Deutschland damit im europäischen Vergleich immer noch einen der niedrigsten Anteile von Frauen in der Forschung.

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