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News: Wo bleibt der Knigge für Computer?

Mal ehrlich - können Sie Ihren Computer leiden? Finden Sie nicht auch, daß er manchmal ziemlich unhöflich ist? Ganz im Gegensatz zu einem selbst natürlich! Zumindest könnte das der Grund dafür sein, daß viele Menschen sehr unwillig auf ihren elektronischen Mitarbeiter reagieren, wenn er - mal wieder - einen Fehler macht. Denn daß Computer ihr eigenes Seelenleben haben, wird wohl niemand mehr bezweifeln, oder?!
Viele Menschen tun sich schwer, andere direkt zu kritisieren – meistens äußern sie negative Kommentare eher gegenüber Dritten. Clifford Nass und seine Kollegen an der Stanford University wollten nun wissen, ob diese Scheu womöglich auch in Bezug auf Computer auftritt.

Sie ließen Freiwillige eine Schulung am Computer machen, die mit einem Multiple-Choice-Test am selben Rechner abschloß. Anschließend mußten die Teilnehmer die Fähigkeiten ihres virtuellen Lehrers bewerten, und zwar am selben Computer, einem baugleichen Gerät und auf einem Blatt Papier.

Wie die Forscher in der August-Ausgabe des Journal Of Applied Social Psychology berichteten, wagten es die Versuchspersonen tatsächlich nicht, "ihrem" Computer richtig die Meinung zu sagen. Gegenüber den Kommentaren auf dem Papier und dem anderen Rechner waren die Beurteilungen hier bei weitem am positivsten. "Unsere Teilnehmer versuchten automatisch und unbewußt, sich bei dem Computer beliebt zu machen", erklärt Nass.

Er schließt daraus, daß die Computernutzer ihrem elektronischen Gehilfen ein gewisses 'soziales Wesen' zusprechen. Diese Tatsache wird seiner Ansicht nach bei computergestützten Befragungen zu so heiklen Themen wie Sexualität häufig übersehen.

Bengt Arnetz, ein Streßforscher von der Uppsala University, macht das schlechte Benehmen von Computern verantwortlich für die Unstimmigkeiten mit ihren Benutzern. Die Dialoge in Programmen zeichnen sich nicht gerade durch Höflichkeit aus, und das verärgere die Menschen vor dem Bildschirm. "Schließlich ist das ein sozialer Austausch", meint er. Um in Zukunft die Kommunikation und die Zusammenarbeit angenehmer zu machen, empfiehlt er psychologische Schulungen. Fragt sich nur, für wen.

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