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News: Wo die soziale Intelligenz sitzt

Können Sie auch keine Horrorfilme sehen, weil ihnen dann die Angst von hinten kalt den Rücken hoch kriecht? Oder müssen Sie bei traurigen Szenen zum Taschentuch greifen? Erklären lässt sich dies durch unsere soziale Intelligenz, die es uns ermöglicht, sich in andere hereinzuversetzen. Dank moderner Technik wissen wir nun genau, in welchem Teil unseres Gehirns diese Leistung vollbracht wird. Beteiligt an diesem Einfühlungsvermögen ist ein bestimmter Teil der Großhirnrinde: der so genannte frontale Cortex.
Was spielt sich in unseren Köpfen ab, wenn wir in Gedanken in die Rollen anderer Personen schlüpfen? Einige Situationen, die uns dabei begegnen, rufen eigene Erfahrungen wach und oft endet es damit, dass wir uns mit den Charakteren identifizieren. Im neuropsychologischen Sprachgebrauch ist dieses Phänomen als "Perspektive einnehmen" bekannt. Und es ist essentiell für die soziale Intelligenz. Die menschliche Fähigkeit, die Sicht einer anderen Person anzunehmen, ist zur effektiven Kommunikation unerlässlich. Erst durch sie ist der Mensch in der Lage, die Wünsche und Absichten anderer zu verstehen, zu akzeptieren, und sich entsprechend zu verhalten.

Jean Decty und Perrine Ruby vom Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm) in Lyon interessierten sich mehr für den neurologischen Mechanismus, der während des "Rollenwechsels" stattfindet. Um ihm auf den Grund zu gehen, regten sie die Gehirntätigkeit von Probanden an. Sie sollten sich zwei unterschiedliche Situationen vorstellen. Im ersten Fall sollten sie selbst in die Rolle des Handelnden steigen, sich im zweiten Fall aber eine dritte Person als handelnd denken. Mit einem Positron Emission Tomograph (PET) konnten die Forscher die aktivierten Gehirnareale dann jeweils darstellen. Mit überraschendem Ergebnis. In beiden Fällen wurde der frontale Cortex stimuliert. Jedoch regten die unterschiedlichen Denkprozesse auch getrennte Regionen an. Bei Probanden, die sich selbst in der aktiven Rolle sahen, war auch die so genannte somatosensorische Region des Gehirns involviert. Übernahm eine dritte Person in Gedanken die aktive Rolle, waren Areale im parietalen Cortex und im Frontallappen der rechten Gehirnhälfte stimuliert.

Diese Ergebnisse zeigen die gemeinsame Aktivierung einiger Gehirnbereiche, aber andererseits auch die spezielle Stimulation anderer. Je nachdem, was sich in unseren Köpfen gerade für ein Rollentausch abspielt. Der Unterschied, wie das Gehirn seine eigene Perspektive und diejenige anderer Menschen umsetzt, ist zum Verständnis unserer Umwelt unerlässlich. Und genau hier könnten die kognitiven Defekte von Patienten mit multiplen Persönlichkeiten sitzen. Die Ergebnisse könnten zukünftig die Behandlung dieser Patienten erleichtern.

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