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News: Wochenendklima

Der Mensch erfand die Sieben-Tage-Woche, und die Natur spielt mit: Die täglichen Temperaturschwankungen zeigen auf lange Sicht einen eindeutigen wöchentlichen Rhythmus.
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Da freut sich der Stadtmensch seit Mittwoch auf das Sonntagspicknick im Grünen – das Wetter wird zunehmend besser, am Freitag steht kein mehr Wölkchen am Himmel –, und dann: Graue Wolken und feuchte Wiesen lassen die Wochenendpläne ins Wasser fallen. Mag dies auch sehr nach Murphy's Law klingen, statistisch gesehen gibt es zumindest für urbane Gebiete durchaus etliche Hinweise, dass sich der Himmel an den arbeitsfreien Samstagen und Sonntagen besonders gern zuzieht, sehr zum nachvollziehbaren Leidwesen der Bewohner.

Nun ist die Sieben-Tage-Woche eine Erfindung der Menschen und nicht der Natur, derartige Schwankungen in klimatischen Faktoren müssen also menschgemacht sein. Und wie Piers Forster und Susan Salomon vom Aeronomy Laboratory der National Oceanic and Atmosphere Administration (NOAA) in Boulder feststellten, erlebt nicht nur die Bewölkung über Städten ein Wochenende: Auch die tägliche Temperaturspanne, also die Differenz zwischen nächtlichem Minimum und täglichem Maximum, zeigt einen wöchentlichen Rhythmus – und das weltweit, in Städten wie in ländlichen Gebieten.

Die Wissenschaftler analysierten die über 40 Jahre hinweg täglich aufgezeichneten Temperaturdaten von tausenden über den Globus verteilten Stationen und suchten nach eindeutigen Mustern. Um ganz sicher zu sein, dass sie nicht einem Messfehler auflagen – weil die Stationen womöglich nur werktags aufzeichneten –, überprüften sie ihre Befunde an 600 Stationen, die rund um die Uhr aktiv waren.

Und sie wurden fündig. So ist seit 1975 die Temperaturspanne in New Mexico an Sonntagen und Montagen am größten – an Montagen wohl deshalb, weil die tiefste Temperatur normalerweise in den Morgenstunden gemessen wird und damit noch fast zum Wochenende zu zählen ist. Freitags dagegen schwankte das Thermometer am wenigsten. Ein ganz anderes Bild zeigte sich dagegen beispielsweise im amerikanischen mittleren Westen: Hier lagen die niedrigsten und höchsten Temperaturen am Wochenende am nächsten zusammen, während sich werktags eine größere Spanne abzeichnete.

Verantwortlich für den Effekt sind offenbar vor allem die Veränderungen der nächtlichen Minimaltemperatur, fanden die Forscher weiterhin heraus, weniger die tagsüber auftretenden Höchsttemperaturen. Der Unterschied zwischen werktags und Wochenende kann dabei im Bereich von einem halben Grad liegen – also derselben Größenordnung wie der globalen Erwärmung, die seit Beginn der Industrialisierung zu beobachten ist. Während um deren Ursachen durchaus noch heftig gestritten wird, ist der Verantwortliche für den Wochenendeffekt in der Temperaturspanne klar festzustellen: einzig und allein der Mensch.

Nur – welcher Mechanismus steckt dahinter? Die Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Aerosolen und der Wolkenbildung, da dieser sich relativ kurzfristig zeigen würde. Damit ließe sich vielleicht auch erklären, warum im Mittelwesten der USA, der Kornkammer des Landes, die größten Schwankungen nicht am Wochenende, sondern mitten in der Woche auftreten: Hier liegt die ursprüngliche Aerosolbelastung sehr niedrig, doch könnten Winde innerhalb der zwei bis drei Tage Partikel aus den Industrieregionen der Westküste herantransportiert haben und mit entsprechender Verzögerung den Wochenendeffekt auf werktags verlagern.

Übrigens: Die verregneten Wochenenden konnten die Wissenschaftler in ihren langjährigen Datenreihen nicht aufspüren, nur im mittleren Westen der USA – passend zu den dort niedrigsten Temperaturschwankungen von Samstag bis Montag – zeigte sich ansatzweise dieses Muster. Also verwässert doch Murphy das Sonntagspicknick?

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