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Ölpest: Wohin verschwand der Schmutz von Deepwater Horizon?

Im Jahr 2010 explodierte die Ölbohrplattform Deepwater Horizon, drei Monate lang sprudelte Öl ungehindert ins Meer. Langsam wird deutlich, wo es blieb.
Brennende Deepwater HorizonLaden...

Ende April 2010 explodierte die Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und versank anschließend; drei Monate lang sprudelte deshalb Rohöl ungehindert ins Meer. Ein Teil davon verdunstete, ein anderer wurde ans Ufer geschwemmt, kleinere Mengen sammelten Spezialschiffe auf – doch mindestens zwei Millionen Barrel verschwanden laut Kalkulation von Wissenschaftlern – über ihren Verbleib wissen sie nichts. Eine Analyse von tausenden seit Kurzem frei gegebenen Sedimentdaten liefert jetzt aber einen handfesten Beleg, wo sich das Schweröl abgelagert hat: Seine Rückstände liegen auf einer etwa 3200 Quadratkilometer großen Fläche in der Tiefsee rund um das havarierte Bohrloch – und verschmutzen damit laut David Valentine von der University of California und seinen Kollegen ein um 20- bis 100-fach größeres Areal als bislang befürchtet.

Die Geochemiker hatten die Proben auf den Kohlenwasserstoff Hopan untersucht, der ein wichtiger und vor allem nicht reaktiver Ölbestandteil ist und daher langfristig als Indikator dienen kann. Wo immer sich Schweröl am Meeresboden ablagerte, wiesen die Forscher erhöhte Hopankonzentrationen nach. Bis zu einem Drittel des Erdöls, das durch die Tiefsee waberte und nicht bis zur Wasseroberfläche aufstieg, könnte letztlich im Sediment gelandet sein. Über die biologischen Folgen können die Wissenschaftler nichts sagen, allerdings verweisen sie auf eine vorherige Studie, die schwere Schäden bei Tiefseekorallen südwestlich des Bohrlochs zeigte, wo auch hohe Hopanwerte auftraten. Ungeklärt sei zudem noch, ob der Versuch, chemische Dispergenzien direkt in das austretende Öl zu sprühen, nicht kontraproduktiv war. Diese Mittel sollen das Schweröl eigentlich aufbrechen und in leichter abbaubare Bestandteile zerlegen, doch könnten sie auch verhindert haben, dass der Rohstoff in höhere und wärmere Wasserschichten aufstieg, wo die höhere biologische Aktivität es vielleicht schneller umgesetzt hätte.

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