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Blei in der Arktis: Wohlstand ging bereits im Mittelalter zu Lasten der Umwelt

Je florierender die Wirtschaft, desto mehr Blei bliesen die Europäer in der Vergangenheit in die Luft. In den 1970er Jahren erreichten die Emissionen ihren Höhepunkt.
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Bereits vor der industriellen Revolution haben die Europäer in Zeiten des Wohlstands große Mengen an Blei in die Atmosphäre freigesetzt. Das haben sechs internationale Forscherteams herausgefunden, indem sie Bleiablagerungen der letzten 1500 Jahre in Eisbohrkernen aus der Arktis untersucht haben. Während Perioden des technischen Fortschritts, der Expansion und des Wohlstands lagerte sich demnach deutlich mehr von dem Schwermetall ab als bei Krieg, Hungersnöten oder Epidemien. Das schreiben die Autorinnen und Autoren in der Zeitschrift »Proceedings of the National Academy of Sciences«.

Die Studie zeigt aber auch, wie sich die Auswirkungen recht aktueller Politik aus dem ewigen Eis ablesen lassen: Stieg der Bleianteil vom Mittelalter bis zu den 1970er Jahren exponentiell um etwa das 300-Fache an, so ist er seither wieder um 80 Prozent gesunken, was die Wissenschaftler auf Luftreinhaltungsgesetze weltweit zurückführen. Trotzdem liegt er derzeit noch etwa 60-mal höher als zu Beginn des Mittelalters.

Unter Leitung von Joseph McConnell vom Desert Research Institute in Nevada haben die Forschungsteams 13 Eisbohrkerne untersucht, 12 von verschiedenen Stellen aus dem grönländischen Eis und einen aus der russischen Arktis. Aus den Schichten der Bohrkerne lesen Wissenschaftler nicht nur ähnlich wie bei Baumringen deren Alter ab, sondern erhalten auch Informationen zur Zusammensetzung der Atmosphäre, der Lufttemperatur oder eben abgelagerten Stoffen. Weil das Schwermetall nicht durch natürliche Prozesse in die Arktis gelangt, ist sein Gehalt im Eis ein direkter Hinweis auf zivilisatorische Aktivitäten. Durch Prozesse wie beispielsweise Bergbau, Metallverarbeitung oder die Verbrennung von Kohle sowie bleihaltigen Kraftstoffen gelangt es in die Atmosphäre, verteilt sich und setzt sich schließlich unter anderem in der Arktis fest. Anhand von Modellierungen zu Stofftransport und -ablagerung haben die Forschungsteams die Europäer als Hauptverursacher der Bleiablagerungen ausgemacht. Das passt auch zu den entsprechenden historischen Ereignissen.

In einer anderen Untersuchung haben dieselben Teams im letzten Jahr herausgefunden, dass bereits die alten Römer und Griechen in ihren produktivsten Zeiten große Mengen an Blei emittierten. Dazu hatten sie das Metall in Schichten eines einzelnen Eisbohrkerns aus dem Grönlandeis für die Jahre zwischen 1100 v. Chr. und 800 n. Chr. aufgespürt. Die Zeiten hoher Ablagerungen fallen mit den produktivsten Zeiten der beiden großen antiken Zivilisationen zusammen.

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