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Work-Life-Balance: Langfristig zufriedener dank Teilzeit?

Vor allem Frauen wechseln in Teilzeit, um Beruf und Familie verbinden zu können. Eine deutsche Studie hat über rund 30 Jahre verfolgt, was das für den weiteren Lebensweg und das Wohlbefinden bedeutet.
Ein Kind malt mit einem blauen Stift bunte Linien auf das Gesicht einer erwachsenen Person, die die Augen geschlossen hält. Beide scheinen Spaß zu haben, während sie im Freien sind. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Kreativität und spielerischer Interaktion.
So schön kann Teilzeit sein.

Wie geht es Frauen und Männern langfristig damit, wenn sie in Teilzeit arbeiten? Das ist eine der Fragen, die eine Forschungsgruppe in einer deutsch-kanadischen Langzeitstudie untersucht hat. Wie das Team um Johanna Turgetto von der Universität Potsdam im Fachjournal »Advances in Life Course Research« schreibt, hängt die Antwort davon ab, wer fragt.

Die Soziologin und ihr Team werteten Daten von mehr als 1000 deutschen und 500 kanadischen Studienteilnehmern aus. Diese hatten im Verlauf von rund 30 Jahren wiederholt über ihre berufliche Biografie Auskunft gegeben. In Deutschland umfasste die Stichprobe Geburtenjahrgänge der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre: Zuletzt wurden sie im Alter von rund 45 Jahren befragt und waren in Familienstand, Kinderzahl und Migrationshintergrund repräsentativ für Westdeutschland. Unter den Frauen gaben 62 Prozent, unter den Männern 63 Prozent ein hohes Wohlbefinden an.

Dieser Prozentsatz war bei den Frauen höher, wenn sie dauerhaft in Teilzeit arbeiteten, bei den Männern eher niedriger. Aber der Teilzeiteffekt bei den Frauen verschwand, als die Wissenschaftler weitere Faktoren berücksichtigten. Entscheidend für das weibliche Wohlbefinden war dann vielmehr, ob sich Beruf und Familie vereinbaren ließen. Anders in Kanada: Dort waren Frauen mit Teilzeitbiografien auch dann zufriedener, wenn sie sich in anderen Faktoren nicht unterschieden. Fürs männliche Wohlbefinden war die Teilzeitfrage in beiden Ländern noch weniger bedeutsam: In Kanada spielte die Gesundheit die größte Rolle, in Deutschland ein hohes Einkommen.

Doch warum scheinen deutsche Frauen weniger von Teilzeit zu profitieren? Die Autoren führen das darauf zurück, dass die Teilzeit hierzulande eher zu einer Dauerlösung werde – und damit zu einem beruflichen und finanziellen Risiko. Allerdings ließen die vorliegenden Daten offen, was die Ursache ist: Sowohl könne sich die berufliche Laufbahn auf das Wohlbefinden auswirken als auch umgekehrt. Die Daten stammen überdies aus einer Zeit, in der Lebensläufe noch stärker von traditionellen Rollenbildern geprägt waren, geben die Autoren zu bedenken. Andere Untersuchungen etwa kamen zu dem Schluss, dass bei kontinuierlicher Vollzeitbeschäftigung die Zufriedenheit steigt.

Fazit: Teilzeitarbeit kann positive oder negative Folgen haben – je nachdem, wie sie sich auf die weitere Laufbahn auswirkt. Gerade in Deutschland könne sie zur Sackgasse werden, auch infolge von Steuervorteilen wie dem Ehegattensplitting, wie die Gruppe schreibt: »Eine Steuerreform, die Doppelverdienerhaushalte weniger bestraft, ist längst überfällig.« Die Forschenden plädieren für eine gleich verteilte Elternzeit und flexible Arbeitsbedingungen, die eine Karriere auch in Teilzeit ermöglichen. Am besten für die Zufriedenheit: wenn man zwischen Vollzeit und Kinderbetreuung so wechseln könne, wie es die familiäre Situation gerade erfordere.

  • Quellen
Turgetto, J. et al., Advances in Life Course Research 10.1016/j.alcr.2025.100712, 2026

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