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IgNobelpreise 2015: Würdigung für Urin, ungekochte Eier und universalen Unverstand

In Cambridge wurden vergangene Nacht die IgNobelpreise verliehen. Unter den preisgekrönten Arbeiten sind Studien über Bienenstiche im Penis und Küsse.
HuhnLaden...

Unter den Stellen, an denen man nicht von Insekten gestochen werden möchte, belegen die Genitalien einige der vorderen Plätze. Dieses intuitive Wissen in Form reproduzierbarer Ergebnisse der Wissenschaft zugänglich zu machen, hat 2014 der Wissenschaftler Michael Smith von der Cornell University auf sich genommen. Dafür bekam er zusammen mit dem Entomologen Justin Schmidt – der im Selbstversuch eine Skala für schmerzhafte Insektenbisse zusammenstellte – den sicherlich am härtesten erarbeiteten IgNobelpreis dieses Jahres. Am anderen Ende der Unannehmlichkeitsskala fanden sich dagegen der IgNobelpreis für Medizin sowie jener für Mathematik. Er ging an zwei Arbeitsgruppen, die sich unter anderem den gesundheitlichen Vorteilen des Küssens widmeten, sowie an eine Mathematikerin der Uni Wien, die berechnete, ob und wie ein berüchtigter Schreckensherrscher tatsächlich 900 Kinder zeugen konnte.

Auch dieses Jahr bietet die Verleihung der IgNobelpreise wieder ein kurioses Sammelsurium wissenschaftlicher Leistungen mit zum Teil fraglichen Meriten. An der vordersten Front der ernst gemeinten Forschung dagegen ist jenes im Januar 2015 publizierte Projekt, in dem ein US-/australisches Wissenschaftlerteam untersuchte, wie man durch Scherkräfte ein hart gekochtes Ei "entkocht" – also die denaturierten Proteine wieder in ihren Ursprungszustand zurückfalten lässt. Ebenfalls von ganz praktischer Relevanz ist der Literaturpreis – ihn erhielten drei Wissenschaftler für die Entdeckung, dass das Wort "hä?", beziehungsweise seine Äquivalente, wohl in allen Sprachen der Welt existiert. Ähnlich dem Zauberer Rincewind, der angeblich in 49 Sprachen entsetzt kreischen kann, sind wir nun in der Lage, überall auf der Welt unserer Ratlosigkeit angemessen Ausdruck zu verleihen.

Walk like a Dinosaur!

Weitere Preise gingen an die Erkenntnis, dass das Körpergewicht keinen Einfluss darauf hat, wie lange Säugetiere pinkeln (nämlich etwa 21 Sekunden), dass erfolgreiche Firmenchefs in der Kindheit oft von Naturkatastrophen beeinflusst wurden, und dass Polizisten in Bangkok Bestechungsgelder ablehnen, wenn man sie dafür bezahlt. Der Biologie-IgNobelpreis ging an ein spanisches Team, das Hühner dazu brachte, wie Dinosaurier zu laufen – mit Hilfe beschwerter Stöcke, die als Schwanzersatz an ihren Hinterteilen befestigt waren (der Hühner, nicht der Forscher). Zu guter Letzt bekam ein Medizinerteam, das Bodenwellen als Diagnosewerkzeug für Blinddarmentzündungen in die wissenschaftliche Literatur einführte, völlig zu Recht den IgNobelpreis für Diagnostik.

38/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 38/2015

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