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Würgeschlangen: Herz-Kreislauf-Versagen statt Erstickungstod

Schlangenexperten lagen über Jahrzehnte falsch. Denn Würgeschlangen töten gar nicht durch Erdrosseln.

Sie schlagen blitzschnell zu: Schon nach sechseinhalb Sekunden ist meist alles vorbei, und dem Festmahl steht nichts mehr im Weg. Aber wie schaffen es Würgeschlangen eigentlich, ihre Beute so schnell und effektiv zu töten? Die aktuelle Studie eines Forscherteams um Scott Boback vom Dickinson College räumt mit einem Mythos auf, dem Schlangenexperten über Jahrzehnte anhingen: Die Opfer, meist kleine Nagetiere, ersticken nicht, sondern sterben an Herz-Kreislauf-Versagen.

Für das Experiment pflanzten die Wissenschaftler 24 Ratten EKG-Elektroden und einen Katheter zur Messung des Blutdrucks ein. Schließlich verfütterten sie die narkotisierten Tiere an eine Boa constrictor. In Echtzeit lieferten die Messinstrumente Daten zur Herz-Kreislauf-Aktivität der Ratte im Würgegriff der Schlange. Die Wissenschaftler waren selbst überrascht, wie schnell sich die Veränderungen zeigten: Innerhalb weniger Sekunden sank der arterielle Blutdruck stark ab. Das Herz schlug unregelmäßig und wurde schließlich immer langsamer.

Als die Schlange von ihrem Opfer abließ, war bereits abzusehen, dass das Herz-Kreislauf-System innerhalb kürzester Zeit versagen würde. Mit dem schlagartig versiegenden Blutfluss ist auch das Gehirn sehr schnell unterversorgt. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Beutetiere unter normalen Umständen nach wenigen Sekunden das Bewusstsein verlieren und ihren eigenen Herzstillstand nicht mehr mitbekommen.

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