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News: Wurzeln im Wasser

Der Samen in seiner schützenden Hülle erwies sich bei der Eroberung des Festlandes durch die Urahnen der heutigen Blütenpflanzen als bahnbrechende Erfindung. Diese neuartige Struktur zeichnete bereits einen mindestens 125 Millionen Jahre alten Vertreter aus, dessen fossilen Überreste jetzt in China auftauchten. Sein Dasein fristete die Blütenpflanze wahrscheinlich unter Wasser und wirft nun die Frage auf, wo die modernen Blütenpflanzen ihre Wurzeln hatten - im Wasser oder an Land.
<I>Archaefructus sinensis</I>
Um das Festland erfolgreich zu besiedeln, mussten die Vorfahren der modernen Blütenpflanzen erfinderisch sein. Allein mit ihrer im wässrigen Milieu erprobten Ausstattung vermochten jene Organismen hier nicht bestehen, denn sie drohten in diesem neuen Lebensraum leicht auszutrocknen. Doch mithilfe von speziellen Anpassungen gelang es ihnen im Laufe der Zeit, dieses Problem geschickt zu umschiffen: Und so schützt nicht nur eine wachshaltige Ummantelung die oberirdischen Teile der heutigen Blütenpflanzen, auch ihre Samen liegen in einer schützenden Hülle.

Samen fanden sich auch in einem spektakulären Pflanzenfossil aus der Yixian-Formation im nordöstlichen China: Obwohl es keinerlei Anzeichen für Blütenblätter gibt, besteht für David Dilcher von der University of Florida und seine Kollegen kein Zweifel, dass dieser krautige Vertreter zu den Blütenpflanzen zu zählen ist. Denn die unreife Frucht beherbergt eben jene umschlossenen Samen - ein Merkmal, das die Blütenpflanzen von allen anderen Samen produzierenden Pflanzen unterscheidet.

"Dies sind die frühesten und vollständigsten Überreste von Blütenpflanzen, die je entdeckt wurden", hebt Dilcher hervor. Außergewöhnlich sind diese Fossilien insbesondere deshalb, weil alle Teile der Pflanze erhalten sind, einschließlich der Wurzeln, der Blätter und der Fortpflanzungsorgane. Vermutlich gedieh der 125 Millionen Jahre alte Urahn der Blütenpflanzen im warm-gemäßigten Klima während der Kreidezeit.

Zur Überraschung der Wissenschaftler weist der versteinerte Vertreter an seiner Basis verzweigte Blätter auf, wie sie für Pflanzen charakteristisch sind, die unter Wasser leben. Vermutlich war der etwa 50 Zentimeter große Vorfahr der Blütenpflanzen demnach in seichten Gewässern heimisch, wobei sich seine dünnen Stengel bis zur Oberfläche erstreckten und die Pollen sowie Samenorgane aus dem Wasser hinausragten. Die Samen keimten wahrscheinlich in den flachen Uferbereichen.

Auf den feuchten Lebensraum deutet neben der Blattform zusätzliches Beweismaterial in Form von Fischfossilien hin, welche die Forscher im Umfeld der pflanzlichen Überreste fanden. Doch damit nicht genug, der versteinerte Fund könnte weitreichende Aufschlüsse über die Abstammung der heutigen Blütenpflanzen geben: Da sich die ausgestorbene Pflanze in keine der modernen taxonomischen Gruppen einreihen lässt, handelt es sich möglicherweise um eine frühe Form, aus der alle anderen Angiospermen (Bedecktsamer) hervorgingen.

Als Bezeichnung für diese grundlegende neue Pflanzenfamilie schlugen die Forscher den Namen Archaefructaceae vor. Der nun entdeckte Vorfahr zeigt zwar eindeutig auf, dass die ersten blühenden Pflanzen nicht holzig sondern vielmehr krautartig waren, doch rätselhaft bleibt nach wie vor deren Ursprung: Archaefructus sinensis entstand wahrscheinlich im Wasser.

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