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Weltweite WWF-Studie: Tierpopulationen massiv geschrumpft

In der vergangenen 50 Jahren sind die Wirbeltierbestände auf der ganzen Welt drastisch zurückgegangen. Um durchschnittlich 69 Prozent. Das könnte die Folgen des Klimawandels befeuern.
Westlicher Flachlandgorilla lässt sich einen Apfel schmecken
Ein Westlicher Flachlandgorilla lässt sich einen Apfel schmecken. Der Bestand dieser Tierart im Nki-Nationalpark in Kamerun ist zwischen 2005 und 2019 um rund 69 Prozent gesunken.

Die Bestände wild lebender Wirbeltiere sind in den vergangenen 50 Jahren massiv geschrumpft. Zwischen 1970 und 2018 sei bei den mehr als 31 000 untersuchten Populationen ein Rückgang von durchschnittlich 69 Prozent zu beobachten gewesen, schreiben die Umweltstiftung WWF und die Zoologische Gesellschaft London in ihrem nun veröffentlichten »Living Planet Report 2022«. Insgesamt wurden die Daten zu mehr als 5230 Wirbeltierarten auf der ganzen Welt ausgewertet. Dazu gehören Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien.

Die Ursachen für die gesunkenen Bestände und den Artenverlust sind im Grunde bekannt: Durch Waldrodungen und Erschließung von Flächen gehen Habitate von Wildtieren verloren; die Umweltverschmutzung und der Klimawandel beeinträchtigen die Lebensräume zusätzlich.

Besonders betroffen sind laut dem Report die Tierarten in Süßgewässern. Sie seien im Schnitt um 83 Prozent zurückgegangen; der Bestand des Amazonasdelfins in Brasilien beispielsweise ist von 1994 bis 2016 um rund 65 Prozent gesunken. Bei den Landtierarten sei etwa die Lage der Westlichen Flachlandgorillas Besorgnis erregend. Deren Population im Nki-Nationalpark in Kamerun ist allein zwischen 2005 und 2019 um rund 69 Prozent geschrumpft. Doch auch in Europa heimische Spezies sind betroffen: So hat sich die Population der Feldlerche von 1980 bis 2019 um zirka 56 Prozent reduziert.

Wechselwirkung zwischen Artenverlust und Klimawandel

Die Autoren und Autorinnen des Reports warnen vor einer »fatalen Wechselwirkung« zwischen dem Artensterben und der Klimakrise. Laut dem Weltklimarat (IPCC) werde sich die Wirkung der Klimakrise auf die Artenvielfalt bis 2100 dramatisch erhöhen. Wie der WWF in einer Pressemitteilung beziffert, liegt bei einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad Celsius der Anteil der Arten, die mit hohem Risiko aussterben würden, bei 4 Prozent. Steigt die Erwärmung um 3 Grad, könnte sich dieser Anteil auf 26 Prozent belaufen.

Zugleich würde der Rückgang der Tierbestände den Klimawandel befeuern, weil die Ökosysteme weniger Kohlenstoff aufnehmen könnten. Besonders gut lässt sich der Zusammenhang am Afrikanischen Waldelefanten beobachten, schreibt der WWF. Dessen Bestände seien in einigen Gebieten bereits um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Und ohne Waldelefanten verändere sich die Zusammensetzung des Waldes, so dass dieser weniger Kohlenstoff speichern könne.

Es gäbe aber auch einige wenige Erfolge zu vermelden, die auf Bemühungen im Naturschutz zurückgehen, heißt es beim WWF. Die Bestände der Kegelrobben in der Ostsee etwa hätten sich zwischen 2013 und 2019 erholt: Sie sind um 139 Prozent gewachsen. Auch die Tigerpopulation in Nepal sei von 2009 bis 2018 um 91 Prozent gewachsen. (dpa/kas)

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