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Eingebautes Antibiotikum: Wie sich die Zecke vor dem Menschen schützt

Der Stich einer Zecke kann ganz schön gefährlich werden – auch für die Zecke. Denn mit dem Blut saugt sie potenzielle Erreger auf. Ein »geklauter« Wirkstoff schützt sie.
Eine Hirschzecke klettert in Richtung HandLaden...

Eine derart intime Verbindung zwischen zwei Organismen – der eine saugt das Blut des anderen – ist immer mit Gesundheitsgefahr verbunden. Um sich bei der Mahlzeit nicht mit fremden Erregern zu infizieren, setzen Zecken offenbar einen antibakteriellen Wirkstoff ein, der sehr schnell und gründlich Staphylokokken abtötet. Das haben Forscherinnen und Forscher um Seemay Chou von der University of California in San Francisco herausgefunden.

Das Team studierte dazu Hirschzecken (Ixodes scapularis). Diese Zeckenart lebt im Osten der USA. Sticht sie ihr Opfer, nimmt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Bakterien auf, die auf der Haut ihres Wirts leben. Staphylokokken etwa besiedeln die Haut des Menschen und vieler Säugetiere, richten dort aber in aller Regel keinen Schaden an. Und auch Zecken haben schon früh Mittel und Wege gefunden, die Staphylokokken in ihrem Verdauungstrakt unschädlich zu machen, berichtet das Team um Chou nun im Fachmagazin »Cell«.

Die Zecken produzieren dazu einen Wirkstoff, der von einem Gen namens Dae2 hergestellt wird. Er töte Staphylokokken mit »bemerkenswerter Effizienz« ab, heißt es in der Studie. Wie das Team weiter herausfand, handelt es sich bei dem Gen nicht um eine evolutionäre Eigenentwicklung der Zecken. Stattdessen stammt es ursprünglich aus dem molekularen Verteidigungsarsenal anderer Bakterien, die sich damit gegen Staphylokokken zur Wehr setzen. Die Vorfahren der heutigen Ixodes haben das Gen von diesen Bakterien übernommen und in ihr eigenes Erbgut eingebaut. Fachleute sprechen von »horizontalem Gentransfer«.

Die Hirschzecken gelten als wichtige Überträger der Lyme-Borreliose. Diese Krankheit wird ausgelöst, wenn Borrelien genannte Bakterien, die im Verdauungssystem der Zecke leben, beim Stich in die Blutbahn des Opfers gelangen. Wie das Team aus San Francisco herausfand, wirkt die vom Gen Dae2 produzierte Substanz nicht gegen die Borrelien – wenig überraschend, da die Borrelien auch der Zecke nicht schaden. Sie sind »kommensal« für die Zecken, genauso wie für uns viele Staphylokokken. Erst wenn die Bakterien den Organismus wechseln, werden sie zum Erreger.

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