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News: Zeder, nicht Wacholder

Zeder ist nicht gleich Zeder - auch so mancher Wacholder wird zu Unrecht mit diesem Namen geschmückt. Offensichtlich der Grund dafür, dass Ägyptologen lange Zeit den falschen Baum als Quelle für das Öl zur Mumienkonservierung vermuteten.
"Das Holz des Baumes wird in Stücke gehackt und in Öfen gelegt und durch umgebendes Feuer erhitzt. Die erste austretende Flüssigkeit fließt wie Wasser in einer Rinne; in Syrien nennt man sie 'Zedernsaft' [in Latein: cedrium], und sie ist so stark, dass sie in Ägypten zur Einbalsamierung der Verstorbenen verwendet wird."

So beschrieb bereits Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) in seiner Naturalis Historia die beeindruckende Technik, mit der die Ägypter ihre Verstorbenen vor dem Verfall bewahrten. Durch das Entfernen der inneren Organe, einem gründlichen Trocknungsvorgang und das erhaltende Einölen wollten sie den Körpern das ewige Überleben ermöglichen.

Um das verwendete Öl jedoch gab es einige Verwirrung. Zwar sprach Plinius klar von Zedern, ganz einer Meinung mit Herodot aus Halikarnassos (490-425 v. Chr.), der schon Jahrhunderte zuvor die Prozedur beschrieben hatte. Doch ist der Begriff "Zeder" nicht eindeutig: Streng botanisch gesehen handelt es sich dabei um Kiefernverwandte der Gattung Cedrus, aber auch bestimmte Wacholderarten (Juniperus), die zu den Zypressengewächsen zählen, werden landläufig als "Zedern" bezeichnet. Und da in den Händen von Mumien häufiger Wacholderbeeren gefunden wurden, schlossen Wissenschaftler irgendwann, dass wohl jene "falschen" Zedern das Öl geliefert hatten – zumal in jener Region keine "echten" Zedern heimisch waren.

Eine Vermutung, die erst jetzt durch Wissenschaftler um Johann Koller von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und Ulrich Weser von der Universität Tübingen überprüft wurde. Ein Klumpen bräunlichen Harzes, gefunden nahe der 3500 Jahre alten Saankh-kare-Mumie bei Deir el-Bahiri, sollte das Geheimnis um den pflanzlichen Ursprung lüften.

Die gaschromatographische Analyse brachte Phenolverbindungen an den Tag: Cresole, Xylenole und Guajacol-Verbindungen. Sie stammen, wie die ebenfalls aufgespürten Naphthalene, wahrscheinlich aus dem verschwelenden Nadelholz, vermuten die Wissenschaftler. Außerdem entdeckten die Forscher Sesquiterpenoide: typische Bestandteile von Zedernöl, das mit organischen Lösungsmitteln aus dem Holz der "echten" Zedernart Cedrus atlantica gewonnen wird. Keine Spur fand sich hingegen von Cedrol oder Cedren, die sonst das aus Wacholdern gewonnene Öl beziehungsweise Teer auszeichnen.

Dem chemischen Fingerabdruck zufolge benutzten die alten Ägypter also tatsächlich Zedernholz als Quelle für das Balsamierungsöl. Und nachdem die Forscher nun eine Inhaltsangabe für das Konservierungsmittel hatten, interessierte sie auch noch, welcher Bestandteil denn die größte Wirksamkeit zeigte. Also "balsamierten" sie frische Schweinerippen mit Guajacol beziehungsweise drei anderen Substanzen der Liste.

Nach 35 Tagen bei Zimmertemperatur erfolgte die Probe aufs Exempel: Wie aktiv verhielt sich die alkalische Phosphatase, ein Enzym, das durch den Einbalsamierungsprozess verblüffenderweise Tausende von Jahren erhalten bleibt? Den besten Schutz bot offenbar das Guajacol, denn an den damit konservierten Knochen zeigte das Enzym die zwölffache Aktivität im Vergleich zu unbehandelten Exemplaren. Die anderen Substanzen erreichten hingegen keine Wirkung oder schienen den Abbau des Enzyms sogar zu fördern.

Schriebe Plinius der Ältere heute über Konservierungsmethoden, würde er sicher die nun aufgeklärten Bestandteile des bewahrenden Öls aufführen. Und er könnte die Anwendungsliste noch ergänzen, denn Guajacole gehören zu einer Gruppe von Substanzen, die heutzutage nicht nur als Holzschutz – oder Desinfektionsmittel dienen, sondern auch bei der Haltbarmachung von Fleisch durch Räuchern genutzt werden. Wacholder verbessert hier allenfalls die Würze.

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