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Habitate von Mikroben: Zehn Kilometer unter dem Meer

Bisher dachten Forscher, dass es Mikroorganismen im Erdinnern schnell zu heiß wird. Möglicherweise reicht das Leben jedoch deutlich tiefer als bisher gedacht.
SerpentinitLaden...

Das Leben auf der Erde könnte deutlich tiefer ins Innere des Planeten vorgedrungen sein, als Forscher bisher dachten. Darauf deuten Gesteinsproben aus dem Marianengraben hin, die Wissenschaftler um Oliver Plümper von der Universität Utrecht analysiert haben. Demnach könnte es Mikroorganismen bis zu zehn Kilometer unterhalb des Meeresbodens geben. Bisher gingen Forscher davon aus, dass Lebewesen wegen der zunehmenden Hitze im Erdinnern allenfalls einige Kilometer unterhalb des Meeresgrund überleben können.

Der Marianengraben ist eine bis zu elf Kilometer tiefe Rinne im westlichen Pazifik. Der Ort ist eine Subduktionszone, in der die Pazifische Platte unter die Philippinische Platte gleitet. In dieser Region hat ein Tauchroboter 46 serpentinithaltige Bohrkerne vom Meeresgrund geborgen. Das Mineral entsteht, wenn Wasser im heißen Erdmantel auf Olivin trifft. In den Schloten hydrothermaler Quellen kann das Material als eine Art Schlamm aus einer Tiefe von mehr als 20 Kilometern bis hinauf zum Meeresgrund aufsteigen, wo es an den Austrittsstellen erstarrt.

Das Serpentinit weise Spuren organischen Materials auf, wie sie andernorts Bakterienfilme zurücklassen, berichten Plümper und Kollegen im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Konkret wiesen die Forscher so genannte Amide und aromatische sowie aliphatische Kohlenwasserstoffe nach. Zudem lieferten die Laboranalysen Hinweise auf Aminosäuren, die aber nicht eindeutig waren. Das Team räumt außerdem ein, dass die verdächtigen Spuren durch geologische Prozesse entstanden sein könnten – ohne das Zutun von Lebewesen. Allerdings deutet auch ein von den Forschern erstelltes Modell des Erdinneren unter dem Marianengraben darauf hin, dass Temperaturen von maximal 122 Grad erst in zehn Kilometer Tiefe überschritten werden – erst jenseits dieser Gradzahl wird es zu heiß für Leben.

Sollte die Theorie der Forscher stimmen, hätten die Forscher eine mögliche Erklärung gefunden, weshalb das Leben auf der Erde in der Vergangenheit immer wieder massive Rückschläge überstand. Möglicherweise konnte es sich so weit ins Erdinnere zurückziehen, dass ihm Asteroideneinschläge und andere Massenvernichtungsereignisse nichts anhaben konnten.

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