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News: Zeit ohne Töne für Kaulquappen

Auf ihrem Weg zu einem ausgewachsenen Frosch machen Kaulquappen eine vollständige Metamorphose durch. Diese betrifft nicht nur die körperliche Entwicklung. Auch die Sinnesorgane und die Möglichkeiten der sensorischen Reizaufnahme verändern sich. Es gibt sogar eine Phase während der Metamorphose, in der eine Kaulquappe aufgrund dieser Veränderungen nicht mehr in der Lage ist, akustische Reize wahrzunehmen.
Während der Metamorphose von der Kaulquappe zum Frosch finden zwar im Ganzen gesehen extreme Umwandlungen statt – diese gehen aber Schritt für Schritt vor sich, um die Veränderungen möglichst wenig riskant zu halten. Zum Beispiel ist die Kaulquappe auch, während ihr Beine wachsen, weiterhin fähig, mit der Schwanzflosse zu schwimmen. Auch die Kiemen gehen erst verloren, wenn die Lungen voll funktionsfähig sind.

Doch auch die Sinnesorgane und ihre Aufnahmefähigkeit müssen veränderten Lebensbedingungen angepaßt werden. Bei der Kaulquappe geht im Laufe der Metamorphose die Fähigkeit verloren, Vibrationen im Wasser wahrzunehmen. An Land wird ein solcher Sinn nicht gebraucht. Der Winkel zwischen den Augen reduziert sich, um einen besseren Blick nach vorne zu ermöglichen. Und auch das Hören verändert sich, da es sehr verschieden ist, ob Töne durch das Wasser oder die Luft übertragen werden.

Seth Boatright-Horowitz und Andrea Megela Simmons von der Brown University in Providence beschreiben in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Ausgabe vom 23. Dezember 1997) die Entwicklung des Gehörsystems des Frosches. Bevor sich das äußere Trommelfell bildet, kann die Kaulquappe uneingeschränkt hören. Die Töne scheinen den Kopf zu durchdringen und werden wahrscheinlich direkt von den inneren Teilen des Ohres aufgenommen. Am Ende der Metamorphose zum Landbewohner hören sie ebensogut.

Sie entwickeln ein äußeres Trommelfell etwa zu der Zeit, wenn auch die vorderen Extremitäten entstehen. Aber gerade in dieser Periode – während die Beine wachsen – scheinen die Kaulquappen völlig taub zu sein. Die Wissenschaftler fanden keinerlei Aktivität in dem Hirnteil, der mit Geräuschverarbeitung zusammenhängt. Das Hörsystem wird einer völligen Reorganisation unterzogen, und die Frösche müssen das Lokalisieren und Erkennen von Tönen ganz neu erlernen. Die Forscher vermuten, daß auf diese Weise vielleicht Konfusion vermieden wird, die sonst dadurch entstehen würde, daß Laute sich in der Luft so völlig anders verhalten.

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