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Planetoiden: Zerbrechender Asteroid verursachte kosmischen Staubregen

Der Zerfall eines Asteroiden vor etwa acht Millionen Jahren führte zu einem über eine Million Jahre anhaltenden Partikelregen auf die Erde. Reste des kosmischen Staubes fanden kalifornische Forscher in Meeresablagerungen im Indischen und Atlantischen Ozean. Der geborstene Asteroid hatte einen Durchmesser von mehr als 150 Kilometern und hinterließ eine ganze Familie kleinerer Bruchstücke, die heute als Veritas-Gruppe bekannt ist.

Die Analysen der Geowissenschaftler um Kenneth Farley vom California Institute of Technology zeigten, dass die Menge des kosmischen Staubs in den vergangenen hundert Millionen Jahren zwei Mal deutlich angestiegen war. Der ältere dieser Peaks liegt vor etwa 35 Millionen Jahren und fällt zusammen mit der Entstehung zweier großer Meteoritenkrater: dem Popagai-Krater in Sibirien und der Chesapeake-Bucht an der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Für das jüngere Ereignis vor etwa acht Millionen Jahren gibt es jedoch keinen passenden Krater auf der Erde. Ein Kometen- oder Asteroidenschauer, durch den entsprechend größere Brocken auf der Erde eingeschlagen wären, kann den Anstieg also nicht erklären. Der Zustrom kosmischer Partikel war damals auf das Vierfache gewachsen, und es dauerte eineinhalb Millionen Jahre, bis die Werte wieder auf ein normales Niveau zurückkehrten.

Farley und seine Kollegen sind deshalb der Meinung, dass die Entstehung der Veritas-Asteroiden-Familie für den zweiten kosmischen Staubregen verantwortlich ist. Die zeitliche Koinzidenz sei so offensichtlich und die Materie-Quelle so umfangreich gewesen, dass der vierfache Staubfluss damit plausibel zu erklären sei. Es war der größte Asteroidenzerfall der vergangenen hundert Millionen Jahre, und noch heute liefern die Reste der geborstenen Materie ein Zehntel des kosmischen Staubes in unserem Sonnensystem – immerhin 5000 Tonnen pro Jahr davon rieseln auf die Erde nieder.

Die Geowissenschaftler untersuchten zwei Sedimentbohrkerne aus dem Indischen und Atlantischen Ozean, in denen der kosmische Staub archiviert war. Dabei verwendeten sie als Indikator das stabile Helium-Isotop Helium-3 (³He), das während des Fusionsprozesses in der Sonne ensteht.

Auf ihrem Weg durchs All sind die Staubkörner dem Helium-3-haltigen Sonnenwind ausgesetzt, nehmen es auf und bringen so einen Hinweis auf ihre kosmische Herkunft mit auf die Erde. Die Helium-3-Signatur der Meeressedimente erlaubt damit Rückschlüsse auf Dauer und Zeitpunkt außergewöhnlicher kosmischer Staubschauer sowie auf die Menge der niedergegangenen Partikel und ihre Herkunft.
21.01.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.01.2006

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