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News: Zersplitterte Gen-Hoffnung

Neue Technologien haben es schwer: Langen Entwicklungszeiten mit unzähligen Rückschlägen folgen aufreibende Einführungsphasen gegen den zum Teil erbitterten Widerstand der Verbraucher, denen die Produzenten nach eigenen Aussagen doch nur Gutes tun wollen. Ganz schlimm wird es, wenn der erhoffte Marktrenner dann im Ernstfall versagt und allen Versprechungen zum Trotz schlechter als sein altgedienter Konkurrent ist. So ergeht es zur Zeit gerade dem Biotechnologie-Riesen Monsanto, dessen gentechnisch veränderte Sojabohne trotz heftiger Kritik schließlich doch angebaut wurde, unter anderem in Mittel- und Südamerika. Doch bei den dort herrschenden Temperaturen spleißen die jungen Sojasprößlinge auf, weil die Veränderung des Erbmaterials den Stoffwechsel der Pflanzen durcheinanderbringt, sobald es heiß wird. Statt höheren Gewinn brachte das neue Saatgut den Farmern deutliche Ernteverluste.
Ausgerechnet die warmen Staaten Süd- und Mittelamerikas hatte Monsanto als wichtigsten Markt für ihre gentechnisch veränderte Sojabohne angesehen. Doch schon bald häuften sich die Meldungen von Bauern, daß der Ertrag bei dieser neuen Sorte geringer als bei den traditionellen Pflanzen war. Auch im Süden der USA traten diese Schwierigkeiten auf, erfuhr Bill Vencill von der University of Georgia in Athens. Er stellte fest, daß die schlimmsten Verluste in den beiden wärmsten Frühjahren zu beklagen waren, seit die Sojabohnen 1996 in dem US-Bundesstaat eingeführt worden waren. "In den Jahren, in welchen das Problem auftrat, erreichten die Bodentemperaturen 40 bis 50 Grad Celsius", berichtete er auf einer Tagung des British Crop Protection Council in Brighton im November 1999.

Vencill und seine Kollegen stellten die Wachstumsbedingungen im Labor in Klimakammern nach. Bei Tagestemperaturen von nur 25 Grad Celsius zeigte sich noch kein Unterschied zwischen den gentechnisch veränderten und normalen Sojabohnen. In wärmeren Böden erschienen die Hightech-Pflanzen dagegen verkrüppelt, und bei 45 Grad Celsius waren die Unterschiede offensichtlich. "Wir stellten eine geringere Wachstumshöhe, niedrigeren Ertrag und Gewicht bei Monsantos Bohnen fest", sagte Vencill. Bei nahezu allen modifizierten Pflanzen splissen die Triebe auf, sobald die ersten Blätter zu sprießen begannen. In den Kontrollen mit normalen Sojabohnen ereilte rund 50 bis 70 Prozent dieses Schicksal.

Es waren genau die gleichen Symptome, von denen auch die Farmer berichtet hatten. Damals wurden Pilzkrankheiten dafür verantwortlich gemacht, doch die Wissenschaftler sehen darin nun nicht mehr den Grund, sondern eher eine Folge der Aufsplitterung. Erst dadurch wird der Stengel für die Pilze angreifbar.

Nach Ansicht der Forscher ist das Phänomen auf die veränderte Physiologie der Pflanzen zurückzuführen. Die genetischen Veränderungen sollten die Sojabohnen gegen das von Monsanto vertriebene Herbizid Glyphosat resistent machen. Gleichzeitig kurbeln sie allerdings die Produktion des Holzstoffes Lignin um bis zu 20 Prozent an. "Wir glauben, das macht die Pflanzen spröder", meint Vencill.

Interessanterweise stören sich Pflanzen, die durch ähnliche gentechnische Veränderungen gegen ein anderes Herbizid – Gluphosinat – resistent gemacht wurden, nicht an der Hitze. Das Problem besteht darum wohl nicht in der gentechnischen Modifikation an sich, sondern hängt mit dem speziellen Eingriff in den Stoffwechsel um Glyphosat zusammen.

Beim Riesenkonzern Monsanto hält man sich noch bedeckt. Kommentare zu Vencills Arbeit möchte man dort erst abgeben, wenn ein überprüfter Artikel in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift vorliegt. Bis dahin empfiehlt ein Sprecher den Bauern, auf gentechnisch veränderte Sojabohnen umzusteigen, die besser mit der Hitze fertig werden.

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